Alles koscher – Jüdisches Leben heute

(medientipp) Einen ganzen Tag lang widmen sich die Sendungen, Spielfilme und Dokumentationen auf 3sat der jüdischen Lebenswelt und Alltagskultur in Europa.

Im Mittelpunkt steht „Kulturzeit extra. Alles koscher – Jüdisches Leben“ um 19.10 Uhr. Die vier „Kulturzeit“-Moderatoren präsentieren in ihren Städten jüdisches Leben und jüdische Kultur: Tina Mendelsohn in Berlin, Cécile Schortmann in Frankfurt, Ernst A. Grandits in Wien und Andrea Meier in Zürich. Sie erkunden, was die jüdischen Gemeinden bewegt, vor welchen Herausforderungen und Problemen sie stehen und welche Perspektiven sich für die jüdischen Gemeinden in Deutschland, Österreich und der Schweiz eröffnen.

In „Erinnerung 2.0“ um 12.55 Uhr geht es um einen nicht alltäglichen Facebook-User: Henio, ein polnischer Jude, der 1942 kurz vor seiner Einschulung in der Nähe der polnischen Stadt Lublin in einem Konzentrationslager gestorben ist. Ein polnischer Kulturverein hat ihm mithilfe des sozialen Netzwerks zu neuem Leben verholfen. Menschen aus der ganzen Welt kommentieren seine Tagebucheinträge und schicken ihm Nachrichten, doch Henio steht für die Stille einer Welt, die der Holocaust zerstört hat.

Gabrielle Antosiewicz macht sich in „Machtmaker“, der um 15.15 Uhr auf dem Programm steht, auf die Suche nach dem koscheren Mann. Sie lädt vier Heiratskandidaten zum Casting in ihre Küche, um die Challe zu backen, den traditionellen Zopf, der von orthodoxen Juden am Freitagabend gegessen wird. Der Dokumentarfilm (CH 2004) erzählt mit Witz und Charme von der Suche nach dem passenden Mann und gibt Einblick in die Vielfalt jüdischen Lebens.

Als die UdSSR 1990 die Grenzen öffnete, verliessen Hunderttausende Juden das Land. In „Mazel Tov“ um 17.25 Uhr werden russische Juden und Weltkriegsveteranen porträtiert, von denen einige „erst in Deutschland gelernt haben, was es heisst, Jude zu sein“. Der Dokumentarfilm zeigt, wie die Mentalitäten der Neuankömmlinge und Alteingesessenen aufeinander prallten. Am 16. Jewish Film Festival Berlin 2010 hat „Mazel Tov“ den Preis für den besten deutschen Dokumentarfilm mit jüdischer Thematik gewonnen.

Natürlich dürfen Humor und Musik an einem solchen Tag nicht fehlen: „Wie lacht es sich als Jude?“ stellt die beiden Humoristen Georg Kreisler und Oliver Polak vor, die ihm Rahmen der jüdischen Kulturtage in Berlin gemeinsam auftraten (0.10 Uhr). Darauf gehört das Nachtprogramm ab 0.25 Uhr mit der Amsterdamer Klezmer Band, dem Frankfurter Musiker Shantel und Aviv Geffen ganz der jüdischen Musik.

Eine Programmauswahl:

  • 12.55 Uhr: Erinnerung 2.0
  • 15.15 Uhr: Matchmaker – Auf der Suche nach dem koscheren Mann (Dokumentarfilm CH 2006)
  • 17.25 Uhr: Mazel Tov (Dokumentarfilm D 2009)
  • 19.10 Uhr: Kulturzeit extra. Alles koscher – Jüdisches Leben (Magazin 2010)
  • 00.10 Uhr: Wie lacht es sich als Jude? – Georg Keisler trifft Oliver Polak
  • 00.25 Uhr: Jüdische Musik mit der Amsterdamer Klezmerband, Shantel und Aviv Geffen

3sat-Thementag „Alles Koscher“:
http://www.3sat.de/page/?source=/specials/thementage/147043/index.html