Women without Men

Berückende Bilder, betörende Musik und eine Erzählweise, die gleichermassen enthüllt wie verhüllt. Der erste Spielfilm der iranischen Videokünstlerin Shirin Neshat hypnotisiert von der ersten Minute an. Er erzählt von vier Frauen im Teheran des Sommers 1953, deren Wege sich kreuzen und in einen paradiesischen Garten ausserhalb der Stadt führen. Das Jahr ist nicht zufällig gewählt, sondern markiert als historischen Hintergrund den Sturz der ersten und bislang einzigen demokratischen Regierung Irans.

Jede der vier Frauen steht für einen bestimmten Lebensentwurf und doch erstarren sie nicht zu blossen Schablonen, sondern bleiben bewegliche und glaubwürdige Figuren. Aus dem Nebeneinander von politischem Aufbruch, religiöser Tradition, Prostitution und Sehnsucht nach westlicher Lebensweise wird ein unsichtbar verwobenes Miteinander. Die Regisseurin schöpft ihre visuellen Möglichkeiten für metaphorische und teils surreale Szenen aus. Diese sind jedoch weit von einer harmlosen orientalischen Märchenstunde entfernt, sondern erzeugen eine Art magischen Realismus, der das Erzählte verdichtet. Wenn am Ende nicht alles völlig klar ist, auch weil die iranische Geschichte der fünfziger Jahre wenig bekannt ist, schränkt dies die Wirkung in keinster Weise ein. Der Film hinterlässt ein Gefühl für Schönheit, Unterdrückung und Freiheit, wie schon lange kein Kunstwerk mehr.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Women without Men», Deutschland/Österreich/Frankreich 2009, Regie: Shirin Neshat, Besetzung: Pegah Ferydoni, Arita Shahrzad, Shabnam Tlouei; Verleih: Cineworx, Internet: http://www.cineworx.ch, Filmwebsite: http://www.womenwithoutmenfilm.com

Kinostart: 24. Juni 2010

«Women without Men» ist Film des Monats Juli 2010. Der Film des Monats ist als pdf abrufbar.
medientipp.ch/pdf/filmtipp_201007.pdf
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