La Pivellina
„Herkules“ tönt es mehrfach aus der heiseren Kehle eines bildfüllenden roten Haarschopfes, und man beginnt zu begreifen, dass die Frau in einem parkähnlichen Feld am Stadtrand Roms ihren Hund sucht. Statt dessen trifft sie auf dem Spielplatz unvermittelt auf ein irgendwie verloren wirkendes kleines Mädchen. Auf die Frage, wer es sei und woher es komme, findet sich in einer Tasche des rosaroten Anoraks ein Zettel mit der Mitteilung, dass die Mutter ihr Kind in ein paar Tagen holen werde.
So nimmt die 50-jährige Zirkusartistin Patrizia die zweijährige Asia mit nach Hause in den Wohnwagenpark am Rand des Quartiers, wo sie mit ihrem Mann Walter den Winter verbringt. In unmittelbarer Nachbarschaft wohnt auch der 14-jährige Tairo bei seiner Grossmutter. Während Walter über den unerwarteten Familienzuwachs keineswegs erfreut ist, weil das Geld knapp ist und die Polizei eine Kindsentführung vermuten könnte, spricht der Film eine andere Sprache. Es bleibt offen, ob und wann die Mutter der Kleinen zurück kommt. Im Stil des italienischen Neorealismus erzählt der Film von einer Gemeinschaft in einfachsten Verhältnissen, in der jeder den andern wie selbstverständlich unterstützt und begleitet, und in dem Vorurteile und Diskriminierung keinen Platz haben. Selten habe ich einen menschlich so berührend schönen Film gesehen.
Hans Hodel, ehemaliger Filmbeauftragter Reformierte Medien
„La Pivellina“, Österreich/Italien 2009, Regie: Tizza Covi und Rainer Frimmel, Besetzung: Patrizia Gerardi, Walter Saabel, Asia Crippa und Tairo Coroli; Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 3. Juni 2010
| „La Pivellina“ ist Film des Monats Mai 2010. Der Film des Monats ist als pdf abrufbar. medientipp.ch/pdf/filmtipp_201005.pdf Das Film-des-Monats-Archiv: https://www.medientipp.ch/filmdesmonats |
