Lola
Auf den Philippinen heisst das Grosi «Lola», und um zwei Grossmütter dreht sich der Film des eigenwilligen Regisseurs Brillante Mendoza. Die eine versucht, das Geld für eine ordentliche Beerdigung ihres Enkels zusammenzukratzen, nachdem er einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Der Täter ist bereits inhaftiert, doch dessen Grossmutter wiederum setzt alles daran, dass er nicht allzu lange im Gefängnis bleiben muss. Einmal mehr sind es Frauen, die die Welt zusammenzuhalten versuchen, wenn alles auseinander birst. Doch die eigentliche Hauptfigur des Films ist keine der beiden Lolas, sondern die philippinische Hauptstadt Manila mit ihrem pulsierenden Alltag. Die ungefilterte Geräuschkulisse von Regengüssen, Strassenlärm und Gesprächsfetzen lassen den Film wie eine Reportage darüber erscheinen, wie Manila pulsiert, wie man in Manila lebt, überlebt, stirbt und begraben wird.
Der Stil des Films macht seinen Reiz aus, ist aber auch anstrengend. Zuweilen ist es mühsam, bei der überpräsenten Tonspur die Orientierung zu bewahren. Doch gerade die dokumentarische Genauigkeit, mit der Mendoza seine Geschichte umsetzt, hat die Ökumenische Jury am diesjährigen Internationalen Filmfestival in Fribourg überzeugt. Sie lobte, dass der Regisseur dadurch in einen Alltag versetze, «der die Realitäten von Tod, Gerechtigkeit, Armut und die Suche nach Würde umfasst».
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Lola», Philippinen 2009, Regie: Brillante Mendoza, Besetzung: Anita Linda, Rustica Carpio, Tanya Gomez, Ketchup Eusebio; Verleih: Trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org, Filmwebsite: http://www.trigon-film.org/de/movies/Lola
Kinostart: 13. Mai (Bern, Zürich), 27. Mai (Basel)
