Eyes Wide Open
Eine Männerliebe inmitten des orthodoxen Viertels in Jerusalem; etwas, das es nicht geben darf und das sich doch vor den Augen aller abspielt. Zwar gibt es weder Händchenhalten noch Küsse in der Öffentlichkeit, aber schon bald ist allen in der Nachbarschaft und Gemeinde klar, welch tiefe, lang unterdrückte Gefühle der junge Ezri bei dem verheirateten Aaron ausgelöst hat. Eine dramatische, unhaltbare Situation, in der sich die beiden Männer treiben lassen, ohne einen gemeinsamen Ausweg zu suchen, vielleicht weil sie wissen, dass sie keinen finden werden.
Was für eine Quadratur des Kreises: gläubig, ja eben streng gläubig zu leben und homosexuell zu lieben. So zeigt eine Nebengeschichte, wie ausgerechnet Aaron als Sittenwächter gegen eine Liebe einschreitet, die aufgrund einer arrangierten Heirat unerwünscht ist. Der Film behandelt ein in orthodoxen Kreisen auch anderer Religionen brisantes Thema wohltuend unspektakulär und schon gar nicht spekulativ. Ruhig, oft schweigsam führt er durch die Geschichte. Es sind die Augen, die erzählen: die Augen der beiden Männer, die Augen von Aarons Frau und diejenigen der Nachbarn und der selbsternannten Ordnungshüter des Quartiers. Und letztlich sind es die Augen der Zuschauenden, die betrachten, abwägen, in denen Gnade gefunden werden kann oder auch nicht. Ein Film, der zu reden geben wird.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„Eyes Wide Open“, Israel 2009, Regie: Haim Tabakman, Besetzung: Ran Danker, Zohar Strauss, Tzahi Grad, Verleih: LOOK NOW!, Internet: http://www.looknow.ch
Kinostart: 18. März 2010; St. Gallen: ab 1. April
| Vorpremieren, Podiumsgespräch und Kursabende:
Sonntag, 14. März, 11.30 Uhr, Arthouse Piccadilly, Zürich Dienstag, 16. März, 12.15 Uhr, Arthouse Le Paris, Zürich Zwei Kursabende zu diesen Film im Zürcher Lehrhaus |
