Solothurner Filmtage im Swissness-Trend
Tradition und Moderne, Volksmusik und Weltmusik, Wetterpropheten und Meteorologen: Die Spannbreite von Filmen, die als Premieren in Solothurn gezeigt werden, ist gross. Publikumswirksam werden die Aufführungen bei Filmen, die sich mit dem „Eigenen“ befassen. Herausragend waren am ersten Wochenende „Das Wunder von Andermatt“, der Blick auf die Wetterpropheten vom Muotatal in „Wätterschmöcker“ und der Weltmusik-Film „Bödälä“.
Alain Godet geht dem Erfolg des Ägyptischen Investors Samih Sawiris nach. Der Geschäftsmann aus Kairo plant im Urserental den Bau eines Tourismusresorts unter dem Label „Neu-Andermatt“: Fünfstern-Hotels, noble Eigentumswohnungen, Villen und ein 18-Loch-Golfplatz. Nach der ersten Euphorie über die Rettung aus der Krise zeigt sich heute in Andermatt ein differenziertes Bild. Zwischen der Hoffnung auf bessere Zeiten und dem Bedenken, dass Andermatt sein Gesicht vollständig verändern wird, stehen die Bewohner im Dorf. Der Gemeindepräsident Poletti gibt sich nachdenklich, der Dorfarzt Schulthess prophetisch warnend, der Pfarrer Camenzind eher jovial und geistreich. Die Stärke des Films liegt, neben dieser Darstellung der Stimmungslage, sicher auch in der genauen Analyse der Persönlichkeitsstruktur des Geschäftsmannes Sawiris. Er vertritt eine beinahe ausgestorbene Spezies: den Entrepreneur mit Sozialverantwortung und langfristigen Wachstumsplänen. Dass er dabei die pragmatische Tugend des deutschen Ingenieurs mit dem Charisma des ägyptischen lebensfrohen Mannes verbindet, erklärt die grosse Wirkung auf die sonst eher skeptischen Bergler.
Wetterpropheten wissen mehr als Meteorologen
Urchig ging es auch bei der Premiere des Films „Wätterschmöcker“ von Thomas Horat zu und her. Die legendären sechs Wetterpropheten präsentierten sich am Sonntag auf der Bühne des Landhauses. Mit einem Schlag war das kantige, urchige Gesicht der Innerschweiz mit diesen Originalen in Solothurn anwesend. Im musikalisch komponierten Film werden die sechs Wätterschmöcker aus dem Muotatal vorgestellt. Jeder hat seine eigenen Methoden, wie er das Wetter der nächsten sechs Monate bestimmt: Vom Verhalten der Feldmäuse, Ameisen und Gämsen, über die Windlagen bis zu den Bäumen und Tannzapfen gibt es vielfältige Zeichen, die es zu lesen gilt. Höhepunkt des Films ist die Generalversammlung des Innerschwyzer meteorologischen Vereins. Hier verlesen die Wätterschmöcker ihre Prognosen und es wird sogar ein Wanderpreis für die beste Voraussage vergegeben. Faszinierend ist auch die direkte Sprache dieser Urgesteine. Alles in deutscher Untertitelung, zum Teil in direkter Transkription der Lautsprache und Kraftwörter, ist dieser Film nicht nur etwas fürs Auge, sondern auch für die Ohren. Die Sprache bringt neben der Körpersprache das Charisma der Wätterschmöcker zum Ausdruck. Die Figuren schillern damit zwischen Propheten, Sonderlingen und Magiern der Innerschwyzer Wetterkunde.
„Bödälä“ trifft Irish Dance
Ebenfalls aus der Innerschweiz stammt der Begriff „Bödälä“, ein urchige Form des Volkstanzes. Aus Sicht der Verhaltensforschung könnte man hier von einem Balztanz sprechen, der vor allem durch den eigentümlichen Stepptanz auf sich aufmerksam macht. Ausgehend von der Tradition in der Schweiz begibt sich die Regisseurin Gitta Gsell auf eine Reise durch die Welt: zum Stepptanz, Flamenco und dem Irish Dance. Das rhythmische Aufstampfen der Schuhe erinnert an rituelle Volkstänze. Der Film zeigt die Spannung zwischen Tradition und Moderne: Aus dem „Tanz des Volkes“ werden Showeinlagen und Wettkampftänze. Das Leistungsprinzip hat sich weitgehend durchgesetzt. Der Film ermöglicht die Begegnung mit leidenschaftlichen Tänzerinnen und Tänzern, die bis an die Grenzen gehen. Die grosse Stärke des Films liegt in der Verbindung von Schweizer Tradition mit Weltmusik.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
Die Solothurner Filmtage dauern noch bis am 28. Januar 2010.
http://www.solothurnerfilmtage.ch
In Solothurn, im Fernsehen oder bald im Kino zu sehen
|
