Fish Tank

Das ohnehin nicht gerade geordnete Leben der 15-jährigen Mia gerät komplett durcheinander, als ihre Mutter einen neuen Freund mit nach Hause bringt. Damit ist der Plot schon auf den Punkt gebracht. Und doch ist «Fish Tank» kein gewöhnlicher Coming-of-Age-Film, sondern dermassen impulsiv und explosiv, als wäre noch nie eine solche Geschichte erzählt worden. Blick für Blick baut sich die Spannung zwischen Mia und Connor in einem heissen Sommer in Essex, östlich von London, auf. Mia schwankt zwischen ihrer Sehnsucht nach einem Ersatzvater und ihrer aufkeimenden erotischen Faszination für den attraktiven Connor. Und dieser bespielt seinerseits scheinbar völlig unbewusst beide Fantasien des Mädchens, doch bleibt bis zuletzt unklar, ob er nicht schon von Anfang an die junge Frau in Mia wahrgenommen hat. Dies alles spielt sich in einer Hochhaussiedlung ab, viel Alkohol ist im Spiel, und Mias Mutter driftet durch ihr Leben, als müsste sie sich nicht um ihre beiden Töchter kümmern.

Andrea Arnold machte mit dem Kurzfilm «WASP» von sich reden, der 2004 einen Oscar erhielt. Nun hat sie sich wiederum Frauenleben im sogenannten bildungsfernen Milieu zugewandt. Britische Unterschicht einmal nicht als Arbeiterdrama, sondern als gewöhnlicher Alltag zwischen Bierdosen und dem Traum, auszubrechen. Realistisch und überzeugend mit einer unglaublich talentierten Katie Jarvis in ihrer ersten Rolle.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Fish Tank», Grossbritannien 2008, Regie: Andrea Arnold, Besetzung: Katie Jarvis, Michael Fassbender, Kierston Wareing, Verleih: Monopol Pathé Films AG, Internet: http://www.pathefilms.ch, Filmwebsite: http://www.fishtankmovie.com

Kinostart: 3. Dezember 2009