Alle Anderen

Jede Liebesbeziehung hat eine Ausschliesslichkeit, die alle Anderen aussen vor lässt. Wir lernen mit Gitti und Chris zwei Menschen kennen, wie sie nur sein können, wenn sie für sich allein sind: ihre geheimen Rituale, Albernheiten, unerfüllten Wünsche und Machtkämpfe. Beide sind in den Dreissigern, haben ihre Berufe und Selbstverwirklichungs-Projekte. Eine eigenartige Atmosphäre der selbstbezüglichen Liebe umgibt das Paar. Mit Ulrich Beck kann man hier von einem Paradebeispiel von „Religion der Liebe zu zweit“ sprechen. Im Urlaub gerät das junge deutsche Paar in eine Krise. Auslöser ist die Begegnung mit einem anderen Paar. Grossartig verkörpert Birgit Minichmayr die Rolle der Gitti. Kantig und selbstbewusst tritt sie als moderne Frau auf, drängt ihren Partner Chris (Lars Eidinger) in die Enge, bis dieser mit konventionellen Rollenerwartungen zurückschlägt.

Mit akribischer Genauigkeit und intimer Nähe verfolgt die Regisseurin Maren Ade den Zersetzungsprozess der Beziehung. Der tragikomische Geschlechterkampf spiegelt eindrucksvoll das Dilemma einer Generation, der mehr Freiheiten offen stehen, als je zuvor. Gleichzeitig tun sich die Kinder dieser Generation „Selbstverwirklichung“ schwer, Verbindlichkeiten einzugehen oder Enttäuschungen auszuhalten. Die Religion der Liebe zu zweit gerät genau dort an ihre Grenzen, wo sie sich für Andere öffnen muss.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

„Alle Anderen“, Deutschland 2009, Regie: Maren Ade, Besetzung: Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans-Jochen Wagner, Nicole Marischka; Verleih: Filmcooperative Zürich. Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.alle-anderen.de

Kinostart: 2. Juli 2009