Tulpan

Ein junger Mann in staubiger Uniform erzählt in baumlos ausgetrockneter Umgebung von Seepferdchen und Riesenkraken. Asa ist von seinem Militärdienst als Matrose in die kasachische Steppe zurückgekehrt und versucht mit seinen Schilderungen Tulpan, die einzige heiratsfähige Frau weit und breit, für sich zu gewinnen. Tulpan lässt sich weder blicken, noch um den Finger wickeln. Ihr gefallen Asas abstehende Ohren nicht. „Sie mag dich nicht!“, erst diese harte Aussage des Schwagers bringt den verliebten Asa in die Realität zurück: Ohne Frau wird er keine Herde und auch keine Jurte erhalten, doch so schnell gibt der junge Matrose seinen Traum vom eigenen Heim in der Steppe nicht auf.

Lange Kameraeinstellungen bringen die Weite und Kargheit der kasachischen Steppe auf die Leinwand. Menschen und Tiere stehen im Zentrum – Alltägliches wird präzis und unspektakulär eingefangen: eine Nacht in der Jurte, eine Rückenmasssage, das Einschlafen eines Kindes, die Geburt eines Schafes und nicht zuletzt das Werben um Tulpan. Auch auf der Tonspur wird die Steppe gegenwärtig. Der Wind erweist sich als ständiger Begleiter, durchbrochen nur von den Geräuschen der Tiere, zuweilen ratternden Motoren und unbekümmertem Kindergeschrei. Leise Zwischentöne sind in dem bildgewaltigen Film allgegenwärtig und verleiten zum Schmunzeln, während Asa etwas unbeholfen, aber zielstrebig seinen Traum zu verwirklichen sucht.

Monica Lienin, Redaktorin Medientipp
monica.lienin@medientipp.ch

„Tulpan“, Kasachstan/Deutschland 2008, Regie: Sergey Dvortsevoy, Besetzung: Askhat Kuchinchirekov, Samal Yeslyamova, Ondasyn Besikbasov; Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.tulpan.com.au (engl.)

Kinostart: 28. Mai 2009