Maman est chez le coiffeur

Quebec 1966, ausgelassene Schulkinder freuen sich auf die Sommerferien. Die Mutter von Elise und ihren Brüdern hat einen Kuchen gebacken und erledigt nebenbei noch einen journalistischen Auftrag. Perfekt frisiert, geschminkt und gekleidet kümmert sie sich um Haushalt, Kinder und Beruf. Noch ein liebevoller Arzt als Vater, und die Idylle könnte purer nicht sein. Wäre da nicht eine heimliche Liebe, von der die Mutter plötzlich erfährt. Weil hinter der perfekten Fassade ihr Lebenstraum in Staub zerfällt, packt sie die Koffer und lässt alles zurück. Auf einen Schlag ist die Sorglosigkeit vorüber, und für die Kinder beginnt ein harter Sommer.

Das leise Familiendrama entrollt sich vor der Kulisse einer traumhaften Gegend, in einer Nachbarschaft, die wie geschaffen scheint für die kleinen Abenteuer von Kindern, während sich die Erwachsenen gegenseitig zwischen Konventionen einklemmen und daran zu ersticken drohen. Ideal sind die 60er-Jahre gewählt als rigide Zeit voller gesellschaftlicher Tabus. Doch die Probleme, vor die die drei Kinder gestellt werden und mit denen sie je auf ihre Weise fertig werden müssen, sind bei aller Liberalisierung bis heute die gleichen geblieben. Ein einfühlsamer, gewaltiger Film von Léa Pool, der wie eine Art Sommervariante des Klassikers „The Ice Storm“ den Mikrokosmos einer Familie seziert.

Christine Stark, Reformierte Filmbeauftragte
christine.stark@ref.ch

„Maman est chez le coiffeur“, Kanada 2008, Regie: Léa Pool, Besetzung: Marianne Fortier, Élie Dupuis, Hugo St-Onge-Paquin, Céline Bonnier, Laurent Lucas; Verleih: Filmcoopi Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch

Kinostart: 9. April 2009

„Maman est chez le coiffeur“ ist Film des Monats April. Der Film des Monats ist als pdf abrufbar: medientipp.ch/pdf/filmtipp_200904.pdf