Eine Kooperation mit Ausstrahlung
Die Fachstelle Ethik, Religionen und Kultur der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) hat am Mittwoch, 4. März, in Goldau SZ einen Kooperationsvertrag mit der Stiftung Weltethos unterzeichnet. Der „Startschuss“ zur Förderung der interreligiösen und interkulturellen Bildung – mit Aus- und Weiterbildungsangeboten und Unterrichtsmaterialien – soll sich nicht nur auf die Zentralschweiz beschränken, sondern bald auf weitere Regionen ausstrahlen.
Mit der Gründung der Fachstelle Ethik, Religion und Kultur im Herbst 2008 sei im Angebot der Pädagogischen Hochschulen in der gesamten Schweiz eine Lücke gefüllt worden, so die Rektorin der PHZ Hochschule Schwyz Barbara Seidemann. Die Fachstelle sei ein eigentliches Kompetenzzentrum für die Entwicklung, Reflexion und Umsetzung ethischer, religiöser und kultureller Fragestellungen, die die Schule als Lebensraum betreffen. Die Weiterbildungs- und Dienstleistungsangebote könnten von Lehrpersonen, Schulleitungen und -behörden sowie Fachberatungen genutzt werden. Die Zusammenarbeit mit der Stiftung Weltethos eröffne „völlig neue Perspektiven“, führte die Rektorin weiter aus. Die Verbindung von Wissen über ethische, religiöse und kulturelle Fragestellungen mit didaktischer und methodischer Umsetzungskompetenz solle unterrichtstaugliche Modelle für die Volksschule entwickeln helfen und Grundlagen für einen Ethikunterricht schaffen, der dem Verständnis für Religionen und Kulturen ebenso gelegen sei wie der Vergewisserung gemeinsamer Werte.
Weltethos für die Schule
Hans Küng, der Gründer der Stiftung Weltethos, betonte, dass der religiöse und kulturelle Pluralismus nach vertieften Kompetenzen rufe. Weltethos helfe auf der Suche nach einer gemeinsamen ethischen Basis, die von Menschen mit unterschiedlichem philosophischen oder religiösen Hintergrund akzeptiert werde. Weiter führte der Theologe aus: „Wenn junge Menschen heute zu verantwortungsvollen Mitgliedern unserer Gesellschaft heranwachsen sollen, dann sollte ihre schulische Ausbildung diesen Herausforderungen Rechnung tragen.“ Die Weltethosthematik biete mit ihrem kulturverbindenden Ansatz ein enormes Potenzial und könne sowohl im Religionsunterricht der unterschiedlichen Konfessionen und Religionen wie auch im Ethikunterricht und überhaupt fachübergreifend zum Einsatz kommen.
Ethisches Verhalten ist lernbar
Der Direktor der PHZ, Willi Stadelmann, wies darauf hin, dass das Lernen der Schlüssel zu ethischem Verhalten sei. „Säuglinge kommen nicht als ethisch denkende und handelnde Individuen auf die Welt, sondern mit dem Potenzial, ethische Grundsätze und ethisches Verhalten lernen zu können.“ Für ein solches Aneignen und Einüben seien Erwachsene als Vorbilder, die ethisches Lernen stimulieren, unabdingbar. Doch sei die Verunsicherung, was Kinder lernen sollen gross. Auch fehlten allgemein verbindlich betrachtete Normen, die Eltern und Lehrpersonen als Richtschnur für Erziehung und Bildung dienen könnten. Heutige Kinder, so Stadelmann weiter, würden innerhalb einer Woche mit mehr Informationen konfrontiert als ihre Urgrosseltern in ihrem ganzen Leben. Es fehle also nicht an Stimuli, sondern an einer notwendigen Auswahl.
Konkrete Angebote – Nachdiplom, Vortragsreihe, Lernplattform
Wie der Fachstellenleiter Ethik, Religionen und Kultur, Guido Estermann, ausführte, sind Aus- und Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen, Unterrichtsmaterialien, Projekttage, regelmässige Fachtagungen und Beratungsangebote für Schulen geplant. Auch sei, so Estermann, die Forschung von grosser Wichtigkeit. Eine konkrete Zusammenarbeit der beiden Kooperationspartner besteht bereits innerhalb der Nachqualifikation für Lehrpersonen im CAS Ethik, Religionen, Philosophie, Kultur. Mitte März und Mitte Mai starten zudem an der PHZ Schwyz und Luzern zwei öffentliche Vortragsreihen zu den Weltreligionen. Erste onlinebasierte Unterrichtsmaterialien stellte Stephan Schlensog, der Generalsekretär der Stiftung Weltethos, im Rahmen der Unterzeichnungsfeier vor. Die Lernplattform „A Global Ethic Now!“ informiert über ein Grundethos der Religionen und sensibilisiert zugleich für ethische Fragen.
„Startschuss“ mit „Ausstrahlung“
Gemäss Einladung, werde von ihm ein „Startschuss“ zur Koopertation erwartet, doch würde er sich – auch als einstiger Ortswehrsoldat von Sursee – wenig dafür eignen, meinte der Theologe Hans Küng zu Beginn seines Referats. Er führte an, dass das Projekt Weltethos einst als Utopie gestartet, längst in Gang gekommen sei. Er erhoffe sich von der Kooperation mit der PHZ eine Ausstrahlung über die Zentralschweiz hinaus, eine Pilotfunktion für Folgeprojekte in anderen Teilen der Schweiz, Deutschland und Österreich.
Monica Lienin, Redaktorin Medientipp
monica.lienin@medientipp.ch
| Öffentliche Vorträge zu den Weltreligionen, PHZ Schwyz und Luzern An je drei Abenden werden die Weltreligionen mit ihren Glaubensvorstellungen, Weltbildern, verschiedenen Glaubenspraktiken und Wertsystemen vorgestellt. Mittwoch, 18., 25. März und 15. April 2009 jeweils 19.30 bis 21.30 Uhr an der PHZ Schwyz in Goldau (Zaystrasse 42, 6410 Goldau) Mittwoch, 13., 20., und 27. Mai 2009 jeweils 19.30 bis 21.30 Uhr an der PHZ Luzern (Museggstrasse 37, 6004 Luzern) http://www.schwyz.phz.ch Lernplattform „A Global Ethic now!“ |
