The Banishment
Nach seinem Debütfilm „Die Wiederkehr“ (2003) wendet sich Andrey Zvyagintsev der Frage nach „Schuld und Sühne“ zu. In einer universellen Parabel gestaltet er ein Familiendrama: Alex und Vera reisen mit ihren beiden Kindern aus einer Industriestadt aufs Land. Das Elternhaus von Alex befindet sich in einer paradiesischen Landschaft, die Geborgenheit und Bedrohung gleichzeitig ausstrahlt. Hier erhofft sich der Familienvater den Seelenfrieden, den sein Bruder Mark – verlassen von Frau und Kindern – nicht gefunden hat. Als Vera ihrem Ehemann ein Geheimnis offenbart, löst sie damit eine Kette von Schuldzuweisungen und Missverständnissen aus. Alex verstrickt sich in Eifersucht und egozentrischer Selbstbespiegelung. Das Haus der Kindheit wird ihm zum Ort der Verbannung.
Im Gegensatz zur industriellen Ruine der Stadt verkörpert das Land die raue Natur. In atemberaubenden Bildern setzt Zvyagintsev diesen Lebensraum in Szene, entlockt ihm ein überirdisches Licht und versetzt seine Figuren in eine Form der transparenten Immanenz. Dieser mystisch-verklärte Erzählgestus wird immer wieder durch die krude Folge der Ereignisse durchbrochen. Es entsteht eine Spannung zwischen dem fruchtbaren Nährboden der Landschaft und der bitteren, gefühlkalten Atmosphäre der Eheleute. Das unerbittliche Ende bricht in die Bilder ein, doch vieles bleibt ein Rätsel, hermetisch verschlossen im Erzählfluss. Wer das russische Kino mit seinen grossen, existenziell-tragischen Gesten liebt, ist in diesem Kinoerlebnis gut aufgehoben.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
„The Banishment“, Russland 2007, Regie: Andrey Zvyagintsev, Besetzung: Konstantin Lavronenko, Maria Bonnevie, Aleksandr Baluyev; Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 27. November 2008
„The Banishment“ ist Film des Monats Dezember. Der Film des Monats ist als pdf abrufbar: medientipp.ch/pdf/filmtipp_200812.pdf
