A Thousand Years of Good Prayers

Ob Schweigen Gold ist und Reden nur Silber, ist Ansichtssache. Einander zu verstehen benötigt jedenfalls mehr als stummes Beisammensein, aber auch mehr als blosse Worte. So scheint der Besuch von Herrn Shi, einem Witwer aus Peking, bei seiner frisch geschiedenen Tochter in den USA zum Scheitern verurteilt, weil sie aneinander vorbei reden oder sich Wichtiges verschweigen. Doch Herr Shi harrt mit einer liebevollen Hartnäckigkeit in der eintönigen Appartementsiedlung aus.

Der aus Hongkong stammende amerikanische Regisseur Wayne Wang („Smoke“, „Blue in the Face“) wendet sich einem persönlichen Thema zu – der Vielfalt chinesischer Identitäten zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Herr Shi hat die Kulturrevolution miterlebt und ist dennoch überzeugter Kommunist geblieben. In einer köstlichen Nebenszene versucht er, zwei missionierenden Mormonen Karl Marx näher zu bringen. Seine Tochter dagegen will ihre Herkunft verdrängen und sich in Amerika assimilieren, auch wenn ihre selbstgewählte Freiheit letztlich zur selbstgewählten Einsamkeit wird. Dieser gesellschaftspolitische Hintergrund erschwert die Verständigung der beiden Generationen. Dass der Film einen trotz allem zuversichtlich aus dem Kino entlässt, ist der inneren Ruhe seiner strengen Bilder und nicht zuletzt dem überragenden Henry O in der Rolle des Herrn Shi zu verdanken.

Christine Stark, Reformierte Filmbeauftragte
christine.strak@ref.ch

„A Thousand Years of Good Prayers“, USA 2007, Regie: Wayne Wang, Besetzung: Henry O, Faye Yu, Vida Ghahremani; Verleih: Cineworx, Internet: http://www.cineworx.ch

Kinostart: 10. Juli 2008

„A Thousand Years of Good Prayers“ ist Film des Monats Juli. Der Film des Monats kann als pdf geladen werden unter:
medientipp.ch/pdf/filmtipp_200807.pdf