La maison jaune

Irgendwo im Aurès-Gebirge im östlichen Algerien. Ein Mädchen gräbt gerade die karge Erde um, als ein Gendarm die unerwartete Nachricht überbringt, ihr älterer Bruder sei bei einem Unfall gestorben. Der einzige Sohn der Familie: tot. Fassungslosigkeit und Trauer legen sich auf die einfachen Berber. In derselben Nacht noch macht sich der Vater mit seinem motorisierten Dreirad auf, um den Leichnam nach Hause zu holen. Es folgt ein Roadmovie durch algerische Weiten, angereichert mit berührenden und skurrilen Begegnungen. Wieder daheim bestattet die Familie ihren Sohn und Bruder, doch auch danach bleibt die Mutter vor Trauer wie versteinert. Vater und Tochter unternehmen alles, um ihre Miene wieder zu beleben.

Der ruhige, aber keineswegs traurige Film führt das Leben von algerischen Berbern vor Augen. Er entfaltet eine eindrucksvolle Schönheit, ohne auch nur einen Hauch von Kitsch. Die Tonspur setzt ganz eigene Akzente, die noch lange nachklingen. „Trauerarbeit“ wäre das klassische Wort, das neben diesem Film so technisch wie blass klingt. Der in Frankreich aufgewachsene Regisseur Amor Hakkar hat sein Herkunftsland erst kennen gelernt, als er dort seinen Vater begraben musste. Eindrücklich spielt er nun die Rolle des trauernden Mannes, der seiner Frau aus der Depression hilft. Letztes Jahr wurde er dafür in Locarno mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

„La maison jaune“, Frankreich/Algerien 2007, Regie: Amor Hakkar, Besetzung: Aya Hamdi, Amor Hakkar, Tounés Ait-Ali; Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch

Kinostart: 14. August 2008

„La maison jaune“ ist Film des Monats August. Der Film des Monats August ist abrufbar unter: medientipp.ch/pdf/filmtipp_200808.pdf

„Ein Lächeln der Genesung“ – Interview mit Amor Hakkar, Regisseur und Hauptdarsteller in „La maison jaune“:
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,4&meid=101240

„La maison jaune“ gewinnt Preis der Ökumenischen Jury
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,4&meid=79215

„La maison jaune“ im KirchenKino in Zürich am Montag, 17. November
KirchenKino versteht das Kino als Ort moderner Spiritualität, will die Lust am Film wecken und Kompetenz vermitteln. Dem gemeinsamen Kinoerlebnis folgen Filmgespräche, Inputs zu Regisseur, Filmkontext und methodischen Fragen, die für die Bildungsarbeit in Kirchgemeinden und Pfarreien anregen. KirchenKino ist ein ökumenisches Projekt. Information und Anmeldung: http://www.kirchenkino.ch