Lars and the Real Girl

Das «Real Girl» ist eine lebensgrosse Plastikpuppe, die von ihren Herstellern kaum als keusche Freundin für Sonderlinge konzipiert worden ist. Doch der scheue Lars, der jeden sozialen Kontakt zu vermeiden versucht, findet in ihr eine ideale Gefährtin namens Bianca.

Das Eis ist dünn bei einer Geschichte über einen Sozialphobiker, der sich in ein Sexspielzeug verliebt. Zu nahe liegen peinlicher Slapstick und billiger Klamauk. Derartiges bleibt glücklicherweise aus, auch wenn gelacht werden darf. Seinen besonderen Dreh erhält der Film durch die Ärztin, zu der die verzweifelten Verwandten Lars bringen. Sie nämlich nimmt seine Vorstellung ernst und behandelt Bianca ganz normal – und rät, es ihr gleichzutun. So findet die Puppe nicht nur im Leben von Lars und der Familie seines Bruders Aufnahme, sondern auch in der Kirchgemeinde und bei seinen Arbeitskolleginnen.

All dies behindert die Entwicklung von Lars nicht. In Gesprächen mit der Ärztin stellt er sich seinen Ängsten, er findet einen Draht zu seinem Bruder und öffnet sich für soziale Kontakte. Die unterlegte Psychologie ist freilich schnell durchschaubar. Und doch berührt der Film, ohne rührselig zu sein. Nachdenklich stimmt, wie selbstverständlich und leicht die herzliche Offenheit rüberkommt, mit der die Menschen auf Lars reagieren. Warum, fragt man sich, wird dies wohl immer unrealistisch bleiben.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Lars and the Real Girl», USA 2007, Regie: Craig Gillespie, Besetzung: Ryan Gossling, Paul Schneider, Emily Mortimer; Verleih: Rialto Film AG, Internet: http://www.rialto.ch

Kinostart: 27. März 2008