Takva
Der einfache Büroangestellte Muharrem lebt ein spartanisches Leben mit einem festen Rhythmus. Für ihn besteht seine Heimatstadt Istanbul aus Hauswänden, die ihm den Blick nach aussen verwehren. Aus dem beschaulichen Dreiklang von Heim, Arbeit und Kloster wird er plötzlich in eine neue, moderne Welt katapultiert: Er soll im Auftrag des Sheiks die Mieten der Ordens-Immobilien einziehen. Hier lernt er auf schmerzliche und dramatische Weise, nach welchen Regeln die moderne Geschäftswelt funktioniert. Seine traditionell religiöse Sicht bricht zusammen.
Die Spannung zwischen Religion und Moderne wird in «Takva» (Gottesfurcht) radikal auf den Punkt gebracht. Regisseur Özer Kiziltan zeigt zum einen das Leben des Derwisch-Ordens detailgenau und eindrücklich. Ihn interessiert darüber hinaus die universelle Dimension dieser Geschichte. Der Schritt von der geschlossenen Struktur des Ordens in die säkulare Geschäftswelt ist geprägt von Statussymbolen, sozialem Aufstieg, sexuellen Phantasien und abgrundtiefen Ängsten. Bilder für diesen scharfen Gegensatz werden hart aufeinander montiert und vermitteln die subjektive Sicht der Hauptfigur in ihrer Zerrissenheit. „Takva“ ist ein herausfordernder Film, der auch in einem christlich-fundamentalistischen Umfeld spielen könnte.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Takva», Türkei/Deutschland 2006, Regie: Özer Kiziltan, Besetzung: Erkan Can, Meray Ülgen, Güven Kiraç, Öznur Kula; Verleih: Cineworx, Internet: http://www.cineworx.ch, http://www.takva.com.tr
Filmstart: 31. Mai
«Takva» ist Film des Monats Juni. Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: medientipp.ch/pdf/filmtipp_200706.pdf
Interview mit «Takva“»-Regisseur Özer Kiziltan (Qantara.de): Glaubensnöte in der Moderne
