Vier Minuten

Die alte Klavierlehrerin Traude Krüger, Typ herbe alte Fritzin mit eiserner Disziplin, gibt seit 60 Jahren Unterricht in einem deutschen Frauengefängnis. Eine ihrer Schülerinnen, Jenny, stellt sich als hochbegabte Pianistin heraus und die Lehrerin setzt alles daran, ihr die Teilnahme an einem nationalen Jugend-Musikwettbewerb zu ermöglichen. Doch die als Mörderin verurteilte junge Frau, aggressiv, verschlossen und unberechenbar, will sich nicht Frau Krügers strengem Regime fügen und deren Ächtung für „Negermusik“ (sprich: Jazz) auch nicht hinnehmen. Unter den widrigen Umständen der Gefängnisumgebung entbrennt zwischen den ungleichen Frauen ein zähes Kräftemessen, in dessen Verlauf sie immer tiefer in die Geheimnisse der anderen eindringen.

Chris Kraus´ markiges Drama hat zwar seinen Protagonistinnen etwas arg viele traumatische Erlebnisse aufgebürdet. Doch seine kraftvolle Inszenierung, die stimmige Kameraarbeit, vor allem aber die mitreissenden Hauptdarstellerinnen, die grosse Monica Bleibtreu und die sensationelle Neuentdeckung Hannah Herzsprung, vermögen jederzeit zu überzeugen. Auch hütet sich Kraus glücklicherweise davor, diese beschädigten Existenzen, die da ebenso miteinander wie um Vergebung und Selbstachtung ringen, in allzu glatte Harmonie unter dem segensreichen Einfluss der holden Kunst zu überführen. Die Geschichte entwickelt eine beträchtliche emotionale Intensität, die in einem wahren Finale Furioso gipfelt.

Julia Marx, Filmkritikerin und Filmwissenschaftlerin

„Vier Minuten“, Deutschland 2006, Regie: Chris Kraus, Darsteller: Monica Bleibtreu, Hannah Herzsprung, Sven Pippig; Verleih: Filmcoopi Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebite: http://www.vierminuten.de

Kinostart: 10. Mai 2007