Golden Door

Kennst du das Land, in dem Milch und Honig fliessen? Wo die Rüben gross wie Baumstämme sind und Hühner mannshoch? Es ist Amerika, jedenfalls wie es in den Erzählungen und auf Postkarten erscheint, die im frühen 20. Jahrhundert dem sizilianischen Bauern Salvatore den Wunsch nach Auswanderung eingeben. So verlässt der Witwer seine primitive Steinhütte, wo sich die Geister der Ahnen tummeln und bricht samt Mutter und Söhnen auf in die schöne neue Welt. Unterwegs schliesst sich ihnen eine geheimnisvolle, hübsche Engländerin an. Nachdem sie die Strapaze der mehrwöchigen Überfahrt, zusammengepfercht im Schiffsbauch, überstanden haben, warten an der Schwelle zum gelobten Schlaraffenland neue Hindernisse in Gestalt strenger Selektionskriterien.

Nicht um das Ankommen in der neuen Welt – «Nuovomondo» – wie der Film im Original heisst, geht es in dieser Emigrantensaga, sondern um den Übergang, physisch wie geistig. Das erste Drittel zeigt ein von Aberglauben geprägtes Leben in archaischer Landschaft, während der Überfahrt kommt die Liebe zu der kultivierten Fremden ins Spiel, die Schilderung des demütigenden Untersuchungsparcours auf Ellis Island beschert uns im letzten Drittel manche ironische Spitze, etwa wenn Salvatore die Intelligenztest-Logik aushebelt. Dazu finden Crialese und seine Kamerafrau Agnes Godard schöne und originelle Bilder, etwa von der Abfahrt des Schiffes. Am Ende werden die einen tatsächlich in Milch schwimmen, die anderen aber am Tor zurückbleiben.

Julia Marx, Filmkritikerin und Filmwissenschaftlerin

«Golden Door» («Nuovomondo»), Italien/Frankreich 2006, Regie: Emanuele Crialese, Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Vincenzo Amato, Aurora Quattrocchi; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch, http://www.goldendoor-derfilm.de

Kinostart: 10. Mai 2007