Archäologischer Krimi um angebliches Jesus-Grab
(medientipp) Vor 27 Jahren wurde bei Bauarbeiten in Jerusalem ein Familiengrab entdeckt, das einige amerikanische Wissenschaftler „mit grosser Wahrscheinlichkeit“ für das Grab von Jesus halten. In seinem Dokumentarfilm „Das Jesus-Grab“ nimmt der Oscar-Preisträger James Cameron diese These auf. Mit der Lancierung seines Films in den USA hat er einen alten Archäologen-Streit wieder aufgewärmt. An Karfreitag wird der Film auf Pro7 und ORF1 ausgestrahlt.
1980 wurden in Jerusalem in einem Kammergrab zehn Knochenkästen entdeckt, die aus dem ersten Jahrhundert stammen. Der Fund bestätigte die Praxis der damaligen Zeit, die Toten zweimal zu bestatten; zunächst in Tüchern und etwas später die Knochen in Gebeinkästen oder so genannten Ossuarien.
Der amerikanische Wissenschaftler James Tabor, der die Inschriften der Kästen untersuchte, stellte in seinem Buch „Die Jesus-Dynastie“ die These auf, es handle sich um das Grab der Familie von Jesus von Nazareth. Für ihn gilt als erwiesen, dass im gefundenen Familiengrab Jesus zusammen mit seiner Mutter Maria, mit Maria Magdalena und dem gemeinsamen Sohn Judas begraben liegt. Tatsächlich stellt Tabors These nicht nur die Jahrhunderte alte Tradition der Grabeskirche in Jerusalem in Frage, sondern leugnet darüber hinaus die leibliche Auferstehung von Jesus und stellt ihn als Familienvater dar. In der Dokumentation „Das Jesus-Grab“ sollen eine DNA-Analyse und neueste statistische Berechnungen dies nachweisen und „unser Bild von der Heiligen Familie für immer verändern“, wie es in der Ankündigung des Films von Pro7 Ende Februar geheissen hat. Aber die angekündigten Beweise riefen nach der Ausstrahlung der Dokumentation in der amerikanischen Öffentlichkeit kaum ein Echo hervor und wurden von Wissenschaftlern bereits im Vorfeld kritisch zurückgewiesen, weil sie einen zu grossen Interpretationsspielraum eröffnen.
Dennoch hat die neu entfachte Debatte Befürworter und Gegner auf den Plan gerufen und unter Kirchenvertretern und Wissenschaftlern teils heftige Reaktionen hervorgerufen. Auch wenn praktisch alle namhaften Experten die Dokumentation des Oscar-Preisträgers James Cameron („Titanic“) und Simcha Jacobovici, einem Emmy-prämierten Journalisten, ins Reich der blühenden Phantasien verwiesen haben, scheint das Interesse fast ungebrochen. Was ist wirklich dran, an der geheimnisvollen Geschichte um das Grab von Jesus? Und was macht dieses Thema so faszinierend? Im Anschluss an die Ausstrahlung von „Das Jesus-Grab“ werden in ORF1 diese Fragen mit einem evangelischen und einem katholischen Theologen diskutiert.
Auch die Dokumentation „Streitfall Jesus Grab“ fragt aus aktuellem Anlass nach, wie und wo Jesus bestattet wurde und führt in Jerusalem an die Orte der aktuellen Debatte. Was können Archäologen, Bibelwissenschaftler und Theologen aus den vorliegenden Befunden sagen und wo beginnen die Spekulationen? Welche Methoden stehen zur Verfügung, um Funde wissenschaftlich auszuwerten? Wo beginnt der Glaube und wo das Geschäft? Die wissenschaftliche Überprüfung hat sich zu einer spannenden Spurensuche entwickelt, wobei ein der Fälschung bezichtigter Antiquitätenhändler nicht fehlt und plötzlich eines der zehn geborgenen Ossuarien aus dem angeblichen Jesus-Grab vermisst wird – wahrlich Stoff für einen (anderen) archäologischen Krimi.
Karfreitag, 6. April
Pro7, 17.25 Uhr: Das Jesus-Grab
ORF1, 17.30 Uhr: Kreuz & Quer Spezial. Das Jesus-Grab
ORF1, 18.55 Uhr: Kreuz & Quer Spezial. Der Streit um das Jesus-Grab
Mittwoch, 11. April
ZDF, 22.15 Uhr: Abenteuer wissen spezial. Streitfall Jesus-Grab
| „Jesus-Grab entschlüsselt?“ FAZ vom 25. Februar
Streit um angebliches Jesus-Grab entbrannt Stern vom 26. Februar mit Video der Pressekonferenz in New York Wir haben die Gebeine NZZ vom 2. März Mysterien-Krimi NZZ vom 6. März |
