Cœurs

Der Schnee fällt in schweren Flocken auf Paris. Und doch gelingt es Alain Resnais mit Leichtigkeit und Poesie von seinen liebessehnsüchtigen Figuren zu erzählen. Überall gibt es Hindernisse, die ein gegenseitiges Verständnis erschweren: zwischen Thierry und Charlotte, die sich im Büroalltag näher kommen ebenso wie zwischen Dan und Nicole, einem fest liierten Paar in den 40ern, das sich im Lauf der Geschichte trennt. Lionel arbeitet an der Bar und berät in vornehmer Zurückhaltung den frustrierten Dan, der alsbald über eine Kontaktanzeige die Schwester von Thierry kennen lernt. Wie in einem Spinnennetz sind alle Figuren miteinander verbunden und in ein gemeinsames Schicksal verstrickt. Wenn ein Faden vibriert, gerät das ganze Beziehungsgeflecht in Bewegung.

Die breite Leinwand des Cinemascope-Formates dienen Resnais und seinem Kameramann Eric Gautier als Medium der Isolation. Auf ihr erscheinen die Gesichter in grosser Nähe, aber auch abgegrenzt durch Vorhänge, Stellwände und Glasscheiben. Die Kamerabewegungen folgen einem diskreten Gestus des Enthüllens und offenbaren die Verzweiflung der Figuren. Wenn sie am Ende in einer extremen Aufsicht noch einmal gezeigt und in ein stilisiertes Theaterlicht getaucht werden, spürt man die ungebrochene Schaulust des Regisseurs. Diese depressive Komödie ist ein wunderbarer Ensemble-Film, der mit wehmütiger Sensibilität die „condition humaine“ ausleuchtet.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Cœurs», Frankreich/Italien 2006, Regie: Alain Resnais, Besetzung: Sabine Azéma, André Dussollier, Pierre Arditi; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch; Filmwebsite: http://www.french-touch.ch/COEURS.html

Kinostart: 5. April 2004

«Cœurs» ist Film des Monats April. Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden:
medientipp.ch/pdf/filmtipp_200704.pdf