City Walls
«My own private Tehran» lautet der Untertitel dieses Dokumentarfilms. Die seit Jahren in der Schweiz lebende Afsar Sonia Shafie gewährt uns darin intimen Einblick in die Geschichte ihrer iranischen Familie. Dabei stehen drei Frauen im Mittelpunkt: Shafies Grossmutter, Mutter und Schwester.
Obwohl die Regisseurin nach eigener Aussage mit ihrem Film nicht nur dem Iran den Spiegel vorhalten, sondern auch «gegen die vereinfachenden Bilder» der westlichen Medien angehen will, stimmt zunächst mal Vieles mit diesen Bildern überein. Was diese Frauen, häufig unter Tränen, über die Härten und Ungerechtigkeiten in ihrem Leben zu berichten wissen, stellt ihrer Gesellschaft und insbesondere ihren Ehemännern kein gutes Zeugnis aus: Die Grossmutter wurde mit 13 verheiratet an einen opiumsüchtigen Taugenichts, der sie schlug; der Mutter wurde das Leben schwer gemacht, da Mann und Verwandte an ihrer Jungfräulichkeit zweifelten; die Regisseurin selbst fand erst in der Schweiz einen Mann (den Kameramann dieses Films), der ihre Berufstätigkeit duldet. Dennoch ist ihr Film eine zaghaft optimistisch stimmende Emanzipationsgeschichte, zeigt er doch auch die beeindruckende Stärke, mit der seine Protagonistinnen um eine Verbesserung ihrer persönlichen Lage gerungen und Sonia und ihrer Schwester das Studium ermöglicht haben. Eine persönliche Betrachtung der Lebenswirklichkeit eines zum „Schurkenstaat“ erklärten Landes.
Julia Marx, Filmwissenschaftlerin und Filmkritikerin
«City Walls – My Own Private Tehran», Iran, Schweiz 2006, Regie: Afsar Sonia Shafie, Dokumentarfilm, Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch
Kinostart: 1. März 2007
