Ostrov
Ein Leben lang trägt Vater Anatoly seine schwere Schuld, die er während des zweiten Weltkrieges auf sich geladen hat. Von den Nazis gezwungen, seinen Hauptmann zu erschiessen, entgeht er 1942 nur knapp dem Tod und wird von einer orthodoxen Klostergemeinschaft aufgenommen. 34 Jahre verbringt er auf einer Insel. Als Kesselheizer schaufelt er dort tagtäglich Kohle für das Kloster. Es ist für ihn ein Exerzitium, die Last der Seele durch körperliche Arbeit abzutragen. Für das Volk ist er zu einem Heiligen geworden, der in schwierigen Lebenslagen hilft. Wunder- und Dämonenaustreibungen machen ihn zur messianischen Figur. Für die Mönche ist er aber ein schwieriger Kauz, der durch seine Verrücktheiten die Autorität des Abtes provoziert. Der heilige Narr Anatoly entzieht sich den Regeln des Klosters und bekehrt sogar seinen Vorgesetzten. Eines Tages trifft ein Admiral mit seiner von Dämonen besessenen Tochter ein. Für Anatoly tritt damit das Unverfügbare in sein Leben und macht ihn bereit für die letzte Reise.
Im Stil des spirituellen russischen Kinos schafft Pavel Lungin eine Parabel über das Leben in Schuld. Das religiöse Drama wird in den Bildern des offenen Wassers und der engen Insel transparent für den Einbruch des „Ganz-Anderen“. Die verzweifelte Hingabe des heiligen Narren verkörpert Pjotr Mamonov radikal und überzeugend. „Ostrov“ ist ein filmisches Gebet, das fasziniert und verstört – eine religiöse Erfahrung im Kino par excéllence.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Ostrov – Die Insel», Russland 2006, Regie: Pavel Lungin, Besetzung: Pjotr Mamonov, Viktor Suchorukov, Viktorija Isakova, Verleih: Monopole Pathé Films AG, Internet: http://www.pathefilms.ch, russische Filmwebsite: http://www.ostrov-film.ru
Kinostart: 1. März 2007
«Ostrov» ist Film des Monats März. Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden:
medientipp.ch/pdf/filmtipp_200703.pdf
