After the wedding

Man nehme ein grosses Fest, auf dem sich eine Hand voll Personen begegnet, die auf unsichtbare Weise miteinander verstrickt sind. Das Ganze entwirre man sorgfältig und nicht ohne überraschende Wendungen über die Länge eines Kinoabends. So lautet ein dänisches Rezept, das ganz gut funktioniert – auch im neuen Film von Susanne Bier. Hier wird der verschlossene Aussteiger Jacob von Indien nach Dänemark zurückgeholt, um in der alten Heimat eine Menge Geld für sein Strassenkinderprojekt zu akquirieren. Nur knüpft der schwerreiche Jørgen immer mehr Bedingungen an das dringend benötigte Geld – scheinbar willkürlich. Und dann ist da noch Jørgens Frau, die Jacob alles andere als unbekannt ist.

Beziehungen, gegenwärtige und vergangene, sind das Thema des Films, der immer wieder nach Beziehungsfähigkeit und Bindungsängsten fragt; passend dazu ist das Fest eine Hochzeit. Das heimliche Zentrum ist der undurchschaubare, teils unsympathische Jørgen, der die Fäden zieht, ohne sich in die Karten schauen zu lassen. Und doch ist von Anfang an sein tragischer Charakter spürbar. Für manche mag der Film vom Ende her zu konstruiert wirken, doch macht ihn die schauspielerische Präsenz gerade der beiden Antagonisten sehenswert. Die Kamera gibt ihrer Mimik in vielen Close-Ups genügend Raum. Der dänische Star Mads Mikkelsen zeigt als Jacob eine weitere faszinierende Facette seines Könnens.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«After the wedding», Dänemark 2006, Regie: Susanne Bier, Darsteller: Mads Mikkelsen, Rolf Lassgård, Sidse B. Knudsen, Stine Fischer Christensen; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch, Filmwebsite: http://www.efterbrylluppet.dk

Kinostart: 1. Februar