Adam’s Apples

Mit einem trotteligen Pfarrer ist schon manche Komödie flach geworden. Wenn es jedoch um dänisches Kino geht, lohnt es sich, genauer hinzusehen – man wird mit einer Überraschung belohnt! Mads Mikkelsen, zur Zeit auch als finsterer Gegenspieler von James Bond zu sehen, erduldet als naiver Pfaffe jeden noch so harten Schlag als «Prüfung». In seine Obhut kommt Neo-Nazi Adam zur Resozialisierung und wähnt sich unter Verrückten. Er rebelliert gegen die Weltfremdheit des Pfarrers und möchte ihn – mit aller Gewalt – dazu zwingen, der gottlosen Realität ins Auge zu sehen. Zwei Sturköpfe geraten aneinander, der eine will dem anderen das Fürchten, der andere dem einen Ehrfurcht lehren. Und ausserdem ist da noch ein Apfelkuchen zu backen.

Frech und politisch unkorrekt ist diese schwarze Komödie, in der auf Kosten von Behinderten, Arabern oder Alkoholikerinnen gelacht wird und ausgerechnet ein Skinhead als einzig normaler Mensch erscheint. Was das alles so besonders macht, ist die Tiefe, die der Film ganz nebenbei gewinnt. Da ist das Buch Hiob, das sich Adam geradezu aufdrängt und ihn befähigt, dem Pfarrer den theologischen Knockout zu versetzen. In jener Nacht gewittert es wie im Horrorfilm – oder eben auch wie bei Hiob, als sich Gott persönlich zu Wort meldet. Die Farce um den Kampf zwischen Gut und Böse wurde mit dem Filmpreis der dänischen Kirche ausgezeichnet.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Adam’s Apples», Dänemark 2005, Regie: Anders Thomas Jensen, Darsteller: Ulrich Thomsen, Mads Mikkelsen, Paprika Steen, Ali Kazim, Nicolas Bro, Verleih: LOOK NOW!, Internet: http://www.looknow.ch, Filmwebsite: http://www.adams-aepfel.de

Kinostart: 7. Dezember

«Adam´s Apples» ist Film des Monats Dezember. Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: kath.ch/pdf/filmtipp_1206.pdf