Madeinusa
Wenn am Karfreitag punkt 15 Uhr die Jesusfigur in der Kirche die Augen schliesst, beginnt die «Heilige Zeit». Jetzt ist alles erlaubt, denn Gott kann ja bis Ostern nichts sehen. Ein Dorf hoch in den Anden bereitet sich mit grossem Ernst auf sein eigenartiges Fest vor und feiert in noch grösserer Ausgelassenheit. Madeinusa, die Tochter des Bürgermeisters, darf die «Heilige Jungfrau» spielen und wird zugleich von ihrem Vater bedrängt, sich ihm hinzugeben, wenn Gott nicht hinschaut. Kurz vor dem Fest taucht ein Fremder auf, dessen Anwesenheit vor allem die Männer im Dorf zu stören scheint. Madeinusa jedoch ist von ihm fasziniert, kommt er doch aus dem fernen Lima, dem Ort ihrer Sehnsüchte.
Die peruanische Jungregisseurin Claudia Llosa erzählt vom Versuch einer jungen India, aus der Enge patriarchaler Strukturen auszubrechen. Besondere Spannung erhält dies durch die Inszenierung eines volksreligiösen Spektakels, das bezeugt, welch seltsame Früchte Kolonialisierung und Christianisierung hervorbringen können. Nicht zufällig heisst das Mädchen so wie die Herkunftsangabe nordamerikanischer Konsumgüter und der Fremde schlicht Salvador, Retter. Der Film ist mit einer guten Portion schwarzem Humor gewürzt, doch nimmt er seine Figuren bis hin zum überraschenden Ende ernst, zu dem passend zur «Heiligen Zeit» ein unschuldiger Sündenbock gehört.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Madeinusa», Peru 2006, Regie: Claudia Llosa, Darsteller: Magaly Solier, Carlos de la Torre, Yiliana Chong, Ubaldo Huamán, Melvin Quijada; Verleih: trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org
Kinostart: 21. September 2006
