Princesas

«Wir existieren, weil jemand an uns denkt, und nicht umgekehrt», philosophiert die 30-jährige Calle in einer Arbeitspause. Sie lebt in Madrid und arbeitet als Prostituierte. In ihrem Alltag fühlt sie eine grosse Sehnsucht nach einem anderen Leben: Nach einem Mann, der sie nach der Arbeit abholt, oder nach einer Mutter, die sich den Problemen der Familie stellt, statt den Tod des Vaters zu verdrängen. Erst in der Begegnung mit Zulema, die aus der Dominikanischen Republik stammt, findet Calle eine Freundin. Die verhasste Konkurrentin auf dem Sexmarkt wird zu einer Partnerin im Leiden an den harten Lebensumständen. Zulema leidet unter einem gewalttätigen Freier. Traurig stimmt sie auch die grosse Distanz zu ihrem Kind. Calle unterstützt Zulema sowohl im Kampf gegen die alltägliche Gewalt als auch in ihrem Bestreben, nach Hause zu gehen.

Am Tag sind diese Frauen und ihre Leiden unsichtbar, doch in der Nacht werden sie zu «Prinzessinnen». Mit dieser Metapher entsteht ein poetisches Bild der «Hure», die sich aus einem Schutzbedürfnis heraus – oder zum Zweck der Überlebens – in das mächtige Reich der Imagination flüchtet. Unter der Regie von Fernando León de Aranoa verbindet sich das Melodrama mit einer ungeschminkten Sozialkritik. Diese poetische Überhöhung ist irritierend und bereichernd zugleich.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Princesas», Spanien 2006, Regie: Fernando León de Aranoa, Besetzung: Candela Peña, Micaela Nevárez, Mariana Cordero; Verleih: Xenix-Filmdistribution GmbH, http://www.xenixfilm.ch, Filmwebsite: http://www.princesaslapelicula.com

Kinostart: 7. September