Grbavica

Grbavica ist ein Stadtteil Sarajewos, der im Krieg blutete. Hier lebt Esma mit ihrer zwölfjährigen Tochter Sara. Für Kinder gefallener Helden ist der Schulausflug umsonst, nur fehlen zu Saras Vater die Dokumente. Immer wieder fragt sie nach ihm, immer wieder weicht Esma aus. Ja, ihre Haare würden an ihn erinnern, das ist das Einzige, was das Kind erfährt. Derweil versucht Esma, das Geld für den Ausflug aufzutreiben. Als Kellnerin ist sie männlicher Anmache ausgeliefert, manchmal schluckt sie Tabletten, um weiterzuarbeiten. Weil ihre Tochter nicht locker lässt, bricht irgendwann die Wahrheit aus Esma heraus, so heftig, dass sich Sara die Haare abrasieren wird.

Der Film leuchtet das aus, was sonst vergessen ginge: die Wunden weiblicher Kriegsopfer, die auch nach zwölf Jahren noch schwären. Auf der Berlinale gefeiert (Goldener Bär und Preis der Ökumenischen Jury), wurde der Film in Serbien geächtet. Der populistische «Belgrad Kurir» beschimpfte die Regisseurin, Aufführungen wurden gestört. Dass die Bosnierin Esma von einer Serbin gespielt wird, galt als Landesverrat. Dieses schmutzige Gejaule spricht für sich selbst. Der Film widmet sich leise einem beschädigten Alltag, in dem auch eine Pubertätsgeschichte anders verläuft. Letztlich unspektakulär und deswegen glaubhaft wird so etwas wie Hoffnung spürbar.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Grbavica», Österreich/Bosnien-Herzegowina/Kroatien/Deutschland 2005, Regie: Jasmila Žbanić, Besetzung: Mirjana Karanovic, Luna Mijovic, Leon Lucev, Verleih: trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org

Kinostart: 24. August 2006

«Grbavica» ist Film des Monats August. Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: kath.ch/pdf/filmtipp_0806.pdf

bpb-Filmheft: http://www.bpb.de/files/G95ZB3.pdf