Je ne suis là pour être aimé

Müde und emotionslos erledigt Jean-Claude seinen Job als Gerichtsvollzieher. Jedes Wochenende besucht er seinen Vater, einen grantigen, unzufriedenen Alten. Einst hat er von ihm das Büro übernommen, allmählich scheint sich auch die Misanthropie zu vererben. Jean-Claude ist eine von jenen traurigen Gestalten, die im Kino einer Frau begegnen müssen, um zu leben. In einem medizinisch verordneten Tangokurs lernt er Françoise kennen, die mitten in Hochzeitsvorbereitungen steckt, sich aber immer mehr zu dem freudlosen, schweigsamen Mann hingezogen fühlt.

Leise Komik liegt über der melancholischen und doch irgendwie heiteren Geschichte, in der wenig gesprochen wird, weil die Personen oft nicht wissen, was sie sich sagen sollen. Einer der kleinen Höhepunkte ist der unbeholfene Begrüssungsapéro, als Jean-Claudes Sohn in das Familienbüro eingeführt wird. Tango als Rhythmus und Kitt einer spröden Annäherung ist nichts neues, und doch setzt der Film ganz eigene Akzente. Das Heissblütige fehlt, es dominiert die Melancholie. So fühlt man sich auch eher an finnischen Tango erinnert, und gerade Jean-Claude wirkt mit seiner minimalistischen Mimik wie der französische Vetter einer Figur Aki Kaurismäkis. Ein unaufgeregter, auf den ersten Blick unscheinbarer Film, der aber lange nachhallt.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

„Je ne suis là pour être aimé“, Frankreich 2005, Regie: Stéphane Brizé, Darsteller: Patrick Chesnais, Anne Consigny, Cyril Couton, Georges Wilson; Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch

Kinostart: 29. Juni 2006