Geheimnis des Glaubens: „The Da Vinci Code“
Dan Browns Thriller „Sakrileg“ findet den Weg ins Kino. Die Entschlüsselung von Leonardo Da Vincis „Mona Lisa“ und „Das letzte Abendmahl“ bilden dabei die zwei wichtigsten Leitmotive im Film. Die Suche nach der Blutslinie von Maria Magdalena ist faszinierend, haarsträubend und segensreich.
Mit der Hollywood-Produktion „The Da Vinci Code“ bekommt die Nachfahrin von Jesus von Nazareth und Maria Magdalena ein konkretes Gesicht: Es ist die französische Schauspielerin Audrey Tautou, die als Amélie im gleichnamigen französischen Fabel-Film international bekannt wurde. Ihre feinen, kindlich unschuldigen Gesichtszüge eignen sich sehr gut für die Rolle. Sie spielt Sophie Neveu, die in der Decodierungsabteilung der Polizei arbeitet. Nach einem Mord an ihrem Grossvater im Louvre rettet sie den Symbolforscher Robert Langdon (Tom Hanks) aus den Fängen der Ermittler. Die Spezialistin für verschlüsselte Botschaften und der versierte Zeichenforscher bilden nun ein Team, das den Geheimnissen der abendländischen Kulturgeschichte auf der Spur ist.
Der Film unter der Regie von Ron Howard interessiert sich vor allem für das Genre des Abenteuer-Thrillers. „Diese Geschichte hat den Stil und die traditionellen suspense Elemente, die einen Film zur unterhaltenden Erzählung machen“, so der Regisseur. „Sie nimmt den Zuschauer mit im Vertrauen, dass eine bestimmte Richtung gegeben ist, aber dann wird man auf so viefältige Weise überrascht. Das ist der Grund, wieso die Geschichte von Dan Brown die Leser so sehr fesselt.“ Es ist diese Ebene der Geheimnisse und bewegten Gefühle, die im Film vor allem angesprochen wird.
Offenbarung in der populären Kultur
Was in christlicher Sprache ehemals mit „Andacht“ bezeichnet wurde ist heute in der Populärkultur die Unterhaltung. „The Da Vinci Code“ ist ein faszinierendes Innehalten im Kino. Es bietet sich hier die Gelegenheit, mit dem legendären Tom Hanks und der schönen Audrey Tautou durch die Kulturgeschichte spazieren zu gehen. Dabei werden die Geheimnisse des christlichen Glaubens neu entschlüsselt. Nichts weniger als eine Offenbarung wird durch die Kinowerbung versprochen. Wer die Buchvorlage kennt, kann sich vor allem über die kulturelle Wurzelbehandlung freuen. Vom Louvre, über wichtige Werke Da Vincis bis zur Kirchenarchitektur werden Ikonen ins Bild gesetzt. Damit feiert das bürgerliche Bildungsideal Urständ. Und mit dem Versprechen, dass hier ein vollständig neue Geschichte der christlichen Ikonographie geschrieben wird, kommen auch Liebhaber von Verschwörungstheorien auf ihre Kosten. Ist nun Da Vincis „Abendmahl“ ein echter Beleg für die Beziehung zwischen Maria Magdalena und Jesus, wie Sir Leigh Teabing im Film behauptet? Oder handelt es sich einfach um einen Jünger, der neben Jesus am Tisch sitzt? Wer diese Frage nach dem Kinobesuch mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten kann, ist mit dem Segen der Hollywood-Dramaturgie einen Schritt weiter in Richtung Glaubensgewissheit gekommen.
Der Segen des Kinos
Im Umgang mit historischen Erkenntnissen nehmen sowohl das Buch wie der Film einige haarsträubende Annahmen in Kauf, z.B. die Gründung einer Geheimgesellschaft unter dem Namen „Prieuré de Sion“, ein rein fiktives Konstrukt des Franzosen Pierre Plantard aus dem Jahre 1956. Entscheidend ist wohl nur, dass die Präsenz der Frauen in der Jesusbewegung mit dem Film und dem Buch wieder öffentlich thematisiert wird. Wer hätte sich eine solche segensreiche Wirkung je denken können, nachdem die feministische Theologie über Jahrzehnte keinen Zugang zur breiten öffentlichen Debatte fand. Die Hypothese vom heiligen Gral, die in einer Blutslinie von Jesus Christus und Maria Magdalena besteht, scheint auf den ersten Blick abstrus. Sie kann sich in der Populärkultur nur deshalb einer so gewaltigen Wirkung erfreuen, weil in der katholischen Tradition über Jahrhunderte die Geschichte der Frauen verdrängt wurde. Hier steht wirklich eine fundamentale Auseinandersetzung mit bibeltheologischen Erkenntnissen an: nämlich der Tatsache, dass einflussreiche und begüterte Frauen für die Entstehung des Frühchristentums eine entscheidende Rolle spielten.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
Der Text erschien als Erstabdruck im Pfarrblatt „Horizonte“ vom 14. Mai.
| „The Da Vinci Code“ mit dem deutschen Titel „Sakrileg“ feiert am Filmfestival in Cannes Premiere. Ab dem 18. Mai ist der Film weltweit in den Kinos zu sehen.
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