Grounding

Als im Oktober 2001 die Swissair-Maschinen auf dem Boden blieben, stand die Zeit still. Noch heute wird der wirtschaftliche Kollaps der Airline als nationaler Schock betitelt. Nun gibt es den Film zum Schock, und in ihm steht die Zeit keineswegs still. Rasant trägt eine dokumentarische Eingangssequenz die Vorgeschichte zusammen. Sie setzt 1992 bei dem EWR-Nein des Stimmvolks ein und endet mit dem milliardenhohen Rekordverlust des Jahres 2000. Dann erst beginnt der eigentliche Spielfilm über die Ereignisse unter dem letzten Swissair-CEO Mario Corti.

Der Film erhebt den Anspruch, zu zeigen, was «wirklich» war. Visuell wird dies mit Zwischenschnitten von Fernsehmaterial untermauert, so dass die Grenze zwischen Schauspielern und realen Beteiligten verschwimmt. Allerdings bleibt zu fragen, ob «gut» und «böse» so leicht auszumachen sind, wie es scheint. So geht im Film vergessen, dass manch hochfliegender Traum der New Economy nicht nur bei der Swissair gegroundet wurde. Die Einflechtung fiktiver Schicksale «normaler» Angestellter wie der alleinerziehenden Mutter, dem impulsiven Italiener und dem treuen Mechaniker, dessen Herz ohne Swissair nicht mehr schlagen kann, bemüht zu viele Klischees. Dennoch hält der hochprofessionelle Film, dessen Ausgang ja bekannt ist, die Spannung bis zuletzt.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Grounding – die letzten Tage der Swissair», Schweiz 2006, Regie: Michael Steiner, Besetzung: Hanspeter Müller-Drossaart, Làzslo I. Kish, Gilles Tschudi; Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.groundingfilm.ch