Yasmin

Eine junge pakistanische Frau in Nordengland hat ihren Weg zwischen den Kulturen gefunden. Zu hause ist Yasmin traditionell gekleidet, am Arbeitsplatz trägt sie offenes Haar und Jeans. Ihre Situation ändert sich schlagartig nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York. Der Film zeigt exemplarisch die Radikalisierung in der jüngeren Generation der Pakistani in Grossbritannien. Es ist erstaunlich wie die interkulturellen Annäherungen der letzten Jahrzehnte innerhalb kurzer Zeit hinweggefegt werden. Dass vor allem die Alten und Frauen unter dieser Entwicklung leiden, wird ebenso scharfsinnig wie zornig registriert.

Prophetische Züge bekommt der Film dort, wo die Auswirkungen auf das Alltagsleben gezeigt sind. Ein Weiterleben wie zuvor kann es nicht mehr geben. Yasmins Bruder gerät in den Einflussbereich fundamentalistischer Propaganda und entscheidet sich für den Widerstand. Er hinterlässt bei seinem Vater eine tiefe Wunde. Yasmin wird wegen einer Scheinehe durch Anti-Terror-Einheiten in die Defensive gedrängt. Sie entscheidet sich für die Tradition ihrer Familie. Religiöse Identität wird damit zum Inbegriff von Heimat in einer fragilen Gesellschaft. Denn ein Leben zwischen den Fronten ist unmöglich.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Yasmin», Grossbritannien 2004, Regie: Kenneth Glenaan, Besetzung: Archie Panjabi, Renu Setna, Steve Jackson, Syed Ahmed; Verleih: Cineworx, Internet: http://www.cineworx.ch

Filmstart: 12. Januar.

Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: http://kath.ch/pdf/filmtipp0106.pdf

Filmpremieren in Anwesenheit des Regisseurs:
10. Januar 2006, Zürich, Filmpodium, 20.30 Uhr
11. Januar 2006, Bern, Kellerkino, 20.30 Uhr

„Yasmin“ hat 2004 den Preis der ökumenischen Jury am Filmfestival Locarno erhalten. Der erstmals mit 20´000 dotierte Preis wird gemeinsam von der Römisch-katholischen Zentralkonferenz der Schweiz und vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund getragen. Durch die Unterstützung der Kirchen findet der Film nun seinen Weg in die Schweizer Kinos. „Yasmin“ ist Film des Monats Januar mit Filmstart am 12. Januar. In Zürich und Bern finden zwei Premierenveranstaltungen in Anwesenheit des Regisseurs Kenneth Glenaan statt.

 

Hinweise:
Festivalbericht Locarno 2004: https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,4&meid=31218
Europäischer John Templeton Filmpreis 2004