The Exorcism of Emily Rose
Nach «The Exorcist» von 1973 taucht das Ritual des Exorzismus wieder im Kino auf. Der erstaunliche Erfolg von «The Exorcism of Emily Rose» an den amerikanischen Kinokassen im September 2005 lässt aufhorchen. Der Film beruht im Gegensatz zu «The Exorcist» nicht auf dem Horror der Darstellung, sondern auf einer klugen Balance zwischen psychologischem Drama und Gerichtsfilm. Ausgangspunkt ist der Tod der jungen Studentin Emily Rose. Der Priester Richard Moore ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Seine agnostische Verteidigerin Erin Bruner ist vor Gericht hin und hergerissen zwischen Glauben und Wissenschaft, zwischen Besessenheit und Krankheit. Der Film wirft bezüglich Exorzismus in der katholischen Kirche wichtige und diskussionswerte Fragen auf.
Der Vatikan veröffentlichte 1998/1999 die Neufassung des Rituals, das seit 1614 von der katholischen Kirche bei Fällen von teuflischer Besessenheit angewandt wird. Nur von ausgebildeten Priestern und ausschliesslich im Auftrag des zuständigen Bischofs darf das Ritual ausgeführt werden. Zur Vorbereitung gehört die genauste Prüfung der Fakten unter Berücksichtigung möglicher Krankheiten. Trotzdem kommt es bei Exorzismen auch zu tragischen Todesfällen. Mit diesen Fällen beschäftigt sich die Rechtssprechung. Der Film ist ein Beitrag zur Debatte, in welchem Verhältnis die religiöse Deutung der Besessenheit zur medizinisch-psychologischen Interpretation steht.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«The Exorcism of Emily Rose», USA 2005, Regie: Scott Derickson; Besetzung: Laura Linney, Tom Wilkinson, Jennifer Carpenter, Verleih: Buena vista International, Filmwebsite: http://www.emily-rose.de
Kinostart: 24. November 2005
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