Va, vis et deviens
«Operation Mose» hiess die wohl abenteuerlichste Repatriierungsaktion in der Geschichte Israels. Mittels Flugzeugen wurden 1984/85 Tausende äthiopischer Juden aus afrikanischen Flüchtlingslagern ausgeflogen. Die sogenannten Fallashas verstehen sich als Nachkommen einer Liaison von Salomo mit der Königin von Saba und bilden die einzige jüdische Gemeinschaft schwarzer Hautfarbe. Dem Hungertod entflohen, begann für sie der steinige Weg zur Integration in dem von ihnen ersehnten Gelobten Land.
Der Film gibt dem an sich schon aufregenden Stoff einen besonderen Dreh, indem er einen christlichen Buben zur Hauptfigur macht, der sich als jüdisch ausgibt, um in eines der rettenden Flugzeuge zu gelangen. Um zu überleben, wird er auf zweifache Weise zum Fremden in der Fremde. Die Tragik der Geschichte wird durch komische Szenen und lebendige Nebencharaktere aufgefangen. Wirkt die anfängliche Fixierung auf den kleinen schwarzen Jungen emotional und ästhetisch überladen, gewinnt der Film, wenn er in die Komplexität und Widersprüchlichkeit der israelischen Gesellschaft eintaucht. Dann fliessen Entwicklungsroman und zeitgeschichtliche Einblicke aufs Beste ineinander. Kein Wunder, dass der Film bei der Berlinale 2005 Publikumsliebling war und auch von der Ökumenischen Jury ausgezeichnet wurde.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Va, vis et deviens», Frankreich 2004, Regie: Radu Mihaileanu, Besetzung: Yael Abecassis, Roschdy Zem, Moshe Agazai; Verleih: Agora films, Internet: http://www.agorafilms.net/news.php, Filmwebsite: http://www.vavisetdeviens-lefilm.com
Kinostart: 3. November 2005
Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: http://www.kath.ch/pdf/filmtipp_1105.pdf
