Angry Monk

Während der Westen den tibetischen Buddhismus gerade ob seiner passiven Modernitätsvergessenheit verehrt, wirft der Dokumentarfilm des Schweizer Regisseurs Luc Schaedler, einen anderen, überraschenden Blick auf Tibet. Der Film porträtiert den Lama Gendun Choephel, der sich 1934 vom Klosterleben abwendet, um die sich modernisierende Welt zu bereisen. Seine Kritik an einem Buddhismus, der sich von der Welt abschottet, sich stattdessen in mehr und mehr sinnentleerte Rituale zurückzieht, ist doppelt relevant. Zum einen historisch, als Warnung, dass ein erstarrtes Tibet der rasanten Ideologie Chinas nichts wird entgegensetzen können und zwangsläufig der Unterlegene sein wird. Zum andern, indem sie das westliche Bild des Buddhismus als einer vagen Lifestyle-Spiritualität als Verkennung entlarvt.
Diese doppelte Relevanz Choephels spiegelt sich denn auch in der Form des Films: Indem die Kamera dessen Reisen durch Tibet und Indien nachgeht, wird der Bericht des Mönchs immer durch die Bilder der Gegenwart konterkariert. Zu den Widersprüchen, die Choephel konstatiert, kommen jene dazu, die sich zwischen seinem Bericht und der Gegenwart ergeben. Umso klarer wird damit, wie drängend Choephels Forderung ist nach einer selbstbewussten tibetischen Kultur, die sich – möglicherweise auch aggressiv – sowohl gegen die Unterdrückung durch den Osten, als auch die Vereinnahmungen des Westen wehrt.

Johannes Binotto

„Angry Monk“ , Schweiz 2005, Regie: Luc Schaedler, Dokumentarfilm mit Gendun Choephel, Verleih: Xenix Filmdistribution, Langstrasse 64, Postfach, 8026 Zürich, Telefon: 044 296 50 40, Fax: 044 296 50 45, E-Mail: distribution@xenix.ch, Internet: http://www.xenixfilm.ch, Filmwebsite: http://www.angrymonk.ch/

Kinostart: 1. September