In my Country

«Ich muss keine 5´000 Meilen fliegen, um zu sehen, wie weisse Polizisten ungestraft davon kommen, wenn sie Schwarze töten.» Der Journalist Langston ist nicht gerade begeistert von dem Auftrag der Washington Post, die «Wahrheits- und Versöhnungskommission» in Südafrika zu beobachten. Ihn befremdet es, dass Untaten der Apartheidzeit nicht bestraft werden, wenn die Täter ihre Schuld bereuen. Bei den Anhörungen trifft er Anna, die für ein Lokalradio arbeitet. Während Langston einiges über Rache und Gnade lernen muss, sieht sich Anna mit Verbrechen eines Regimes konfrontiert, von dem sie als Weisse profitiert hat.

Die «Wahrheitskommission» in den 90er-Jahren war ein einzigartiges Unterfangen, politisches Unrecht aufzuarbeiten. Um den Weg für ein neues Südafrika zu bereiten, besannen sich Desmond Tutu und andere auf das afrikanische «Ubuntu»-Prinzip, das Vergebung statt Vergeltung sucht. Der Film bringt diesen Versöhnungsprozess nun auf die Leinwand und erzählt davon, dass Vergebung kein eschatologisches Trostwort sein muss. Es mag sein, dass die private Annäherung der beiden Hauptfiguren, einem schwarzen Amerikaner und einer weissen Südafrikanerin, etwas dick aufgetragen ist, doch beschäftigt sich der Film eindrücklich mit der jüngsten Geschichte Südafrikas und ist zugleich eine Liebeserklärung an dieses Land.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«In my Country», GB / Irland / Südafrika 2004, Regie: John Boorman, Besetzung: Juliette Binoche, Samuel L. Jackson, Menzi Ngubane; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch

Kinostart: 7. Juli 2005