Turtles can fly
Ein kurdisches Dorf samt Flüchtlingslager im Nordirak: Der 13-jährige Satellit führt eine Schar von Waisenkindern an, die Minen entschärfen, um ihren Unterhalt zu verdienen. Einige sind durch Unfälle verkrüppelt, doch sie begeben sich in Lebensgefahr, um nicht zu hungern. Satellit verliebt sich in ein Flüchtlingsmädchen, das mit seinem Bruder und einem blinden Kind auftaucht. Sie hat es nach einer Vergewaltigung durch Saddams Schergen geboren und kann es nicht lieben. Und dann tauchen Gerüchte über einen bevorstehenden Einmarsch von US-Soldaten auf.
Der erste im Irak gedrehte Spielfilm seit 26 Jahren nimmt Kinderschicksale in den Blick. Die Darstellerinnen und Darsteller spielen sich selbst; der Junge ohne Arme brauchte keine Maskentechnik. Ihr Spiel ist authentisch und intensiv, so dass der Film einen Wahrheitsgehalt ausstrahlt, der jede Dokumentation in den Schatten stellt. Was gezeigt wird, hätte sich genauso zutragen können, und hat sich vielleicht irgendwo so zugetragen. Der kurdische Regisseur Bahman Ghobadi erzählt realistisch, ja teilweise schonungslos, und doch findet er auch immer wieder poetische Bilder für seine schwere Geschichte. Er zeigt Figuren, die trotzig gegen die Hoffnungslosigkeit anleben. Ein schwerer, aber herausragender Film.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@kath.ch
«Turtles can fly», Iran/Irak 2004, Regie: Bahman Ghobadi, Besetzung: Avaz Latif, Soran Ebrahim, Hiresh Feysal Rahman; Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch, Filmwebsite: http://www.schildkroetenkoennenfliegen.de
Kinostart: 16. Juni 2005
Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: http://www.kath.ch/pdf/filmtipp_0605.pdf
