Narradores de Javé

Javé liegt ungünstig, denn das Dorf ist durch den Bau eines Staudamms bedroht. In einer chaotischen Gemeindeversammlung entsteht die Idee, Javé vor der Überflutung zu retten, indem seine historische Bedeutung festgehalten wird. Denn ist einmal die Geschichte von Javé aufgeschrieben, ist sein Wert quasi wissenschaftlich bewiesen. Schreiben kann aber nur der ehemalige Postbote Biá, der alles andere als beliebt ist. Um die Historie aufzuschreiben, hört sich Biá die Geschichten der Bewohner Javés an. Dabei stösst er auf immer mehr Variationen und steht vor der schier unlösbaren Aufgabe, hieraus die eine «wahre» Geschichte zu erdichten.

Leben ist Fabulieren, und Fabulieren ist Leben. Der Film aus Brasilien stellt sich in die Tradition südamerikanischer Erzählkultur, indem er diese selbst zu seinem Thema macht. Dabei werden die einzelnen Geschichten natürlich in Bildern erzählt, skurril und unterhaltsam, als seien Episoden aus der Phantasie eines Gabriel García Márquez auf die Leinwand gesprungen. Selbstverständlich ist auch die Geschichte von Javé selbst in eine Rahmenerzählung eingebettet. Der Film, der lustvoll in die Welt eines Tals entführt, das aufgrund seiner Unbedeutsamkeit unterzugehen droht, ist unter anderen mit dem Preis der internationalen Filmkritik (FIPRESCI) in Fribourg ausgezeichnet worden.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Narradores de Javé», Brasilien 2003, Regie: Eliane Caffé, Besetzung: José Dumont, Nelson Xavier, Luci Pereira; Verleih: trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org,

Kinostart: 19.Mai