Wanakam

Unauffällig und freundlich leben sie seit Jahrzehnten mitten unter uns, die Tamilen und Tamilinnen. Doch wie sieht ihr Alltag in der Schweiz aus? Thomas Isler porträtiert in seinem Dokumentarfilm je zwei tamilische Familien und Einzelpersonen in ihrem schweizerischen Exil.
Es ist eine Zwischenwelt, in der sie sich eingerichtet haben: Der Flüchtlingsstatus hält sie nahe der Armutsgrenze, doch schreckt sie zugleich die instabile Lage in Sri Lanka vor einer Rückkehr ab. Dort ist vor 20 Jahren ein Bürgerkrieg ausgebrochen, der trotz Waffenstillstand noch nicht befriedet ist. Die Dauer des Konflikts wird in den einzelnen Schicksalen spürbar: Da ist der Mann, der seine Familie seit 18 Jahren nicht mehr gesehen hat. Da ist aber auch der 10-Jährige, der traumatisiert von seinen Eltern entfremdet ist.

Der Film zeichnet den tamilischen Alltag in der Schweiz nach, darunter sowohl leidige Behördengänge als auch bunte Feste. Dadurch erfährt man sehr viel über das Leben hier. Was fehlt, sind Informationen über den politischen Hintergrund in Sri Lanka. So werden Ursachen und aktuelle Situation des brutalen Konflikts, vor dem die Menschen fliehen, nicht genannt. Ebenfalls bleibt die ambivalente Rolle der Rebellenorganisation Tamil Tigers unklar, obwohl sie zuweilen auch Einfluss auf das Leben von Tamilen in der Schweiz nehmen will.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Wanakam», Schweiz 2004, Regie: Thomas Isler, Dokumentation; Verleih: cineworx GmbH, Internet: http://www.cineworx.ch

Kinostart: 31. März 2005