Ricordare Anna

Viktor ist knurrig, übergewichtig und in Trauer gefangen. Seine Gedanken kreisen um den Tod seiner Tochter Anna und die Frage nach der Schuld daran. Anna ist als junge Frau gestorben – in den 80er-Jahren, als das AIDS-Virus gerade entdeckt worden ist. Als Viktor Jahre später einen Herzinfarkt überlebt, stellt er sich seiner Trauer und öffnet sich der mühsamen Erinnerung. Er muss erkennen, dass ihn nicht nur der Tod von Anna trennt, sondern auch ihre so gänzlich verschiedenen Leben: Er ist ein Schaffer, der sich hochgearbeitet hat. Sie schloss sich als Studentin der Jugendrevolte in Zürich (Züri brännt) an und ging dann als Lehrerin nach Sizilien. Mit ihrer grossen Liebe Salvo kehrte sie in die Schweiz zurück. Als sie erfuhr, dass sie HIV-infiziert ist, kam ihr Vater mit dieser Diagnose nicht klar. Er war unfähig, das Unausweichliche zu akzeptieren. Dies muss er auf seiner Reise in die Erinnerung erkennen. Es ist eine Reise, die ihn nach Sizilien und letztlich zu einem neuen Leben führt.

Der Film von Walo Deuber basiert auf einer wahren Geschichte und ist behutsam mit poetisch-magischen Einfällen erzählt. Mit den grossartigen Hauptdarstellern Matthias Gnädinger als Viktor und Bibiana Beglau als Anna lädt er zum Nachdenken darüber ein, was Lebendigsein und was Totsein bedeutet.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

„Ricordare Anna“, Schweiz 2004, Regie: Walo Deuber, Besetzung: Matthias Gnädinger, Bibiana Beglau, Pippo Pollina; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch

Kinostart: 3. Februar 2005