Bilder und Erinnerungen zum Holocaust
(medientipp) Zur Erinnerung an die Befreiung von Auschwitz wird auf ARTE vom 24. bis 27. Januar ein Programmschwerpunkt zum Holocaust ausgestrahlt. Die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus hat in Europa während des Zweiten Weltkriegs zu unermesslichem Leid und Millionen von Toten geführt. Vom traurigen Höhepunkt einer Todesmaschinerie, die sich vor allem gegen die Juden richtete, zeugen die Konzentrationslager. Doch wie ging man mit dem Unfassbaren um? Wie prägten die Bilder und die Erinnerungen der Überlebenden die kommenden Generationen? Was haben wir aus der Geschichte gelernt, beziehungsweise können wir noch lernen – gerade in einer Zeit in der steigende Arbeitslosigkeit, Orientierungslosigkeit und ansteigende Gewalt den Anderen zum Fremden und den Fremden zur Bedrohung machen?
Mit dem 1978 in den USA produzierten Vierteiler „Holocaust“ wurde zum ersten Mal in der Fernsehgeschichte den Millionen namenlosen Opfern des Holocaust in populärer Form gedacht. Beispielhaft am Schicksal der jüdischen Familie Weiss wurde die Verfolgung und Vernichtung der Juden im Dritten Reich thematisiert und erreichte ein breites Publikum. Der mehrfach ausgezeichnete Vierteiler wird vom 24. bis 27. Januar jeweils um 20.45 Uhr ausgestrahlt.
Der Themenabend „Wenn Bilder sich erinnern“ (25. Januar ab 22.20 Uhr) widmet sich der Verknüpfung von Geschichte und Kino. In der Dokumentation „Hollywood und der Holocaust“ wird gefragt, wie die Traumfabrik der grössten Tragödie des 20. Jahrhunderts begegnet. Verschiedene Ansätze Hollywoods im Umgang mit dem Holocaust werden aufgezeigt. Zudem wird anhand von Filmausschnitten untersucht, wie Bilder der Traumfabrik unsere Vorstellung vom Holocaust geprägt haben. In der anschliessenden Diskussion „Die Shoah gestern und heute“ (23.15 Uhr) steht die Frage im Zentrum, was wir 60 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz aus der Geschichte gelernt haben, oder noch lernen können.
Die schrecklichen Bilder der Konzentrationslager verfolgen die Überlebenden auch heute noch. In drei Dokumentationen erinnern sich Holocaust-Überlebende und Befreier, deren Erinnerungen von grausamen Entdeckungen geprägt sind:
Der amerikanische Filmemacher Samuel Fuller war bei der Befreiung des KZ-Aussenlager Falkenau dabei und filmte diese. In „KZ Falkenau – Eine Lektion über Menschenwürde mit Samuel Fuller“ (26. Januar, 22.15 Uhr) kommentiert er seine 1945 gemachten Filmaufnahmen und berichtet über die einzigartige Lektion, die sein Hauptmann den Falkenauern erteilte.
Der Holocaust-Überlebende Joseph Bialot konnte seine Erinnerungen an Auschwitz erst Jahrzehnte später zu Papier bringen. Sein Werk „Im Winter werden die Tage länger“ (27. Januar, 22.30 Uhr) ist Grundlage des gleichnamigen Dokumentarfilms, der zeigt, wie schwer es den Opfern fällt, über das Erlebte zu sprechen.
In „Wir müssen das erzählen!“ (24. Januar, 23.00 Uhr) zeigen zwei Brüder ausgehend von den Erzählungen ihres Vaters, einem Holocaust-Überlebenden, wie die Erinnerungen der Überlebenden innerhalb ihrer Familien aufrechterhalten und weitergegeben werden.
Am Freitag 21. Januar ist Imre Kertész in „Denken erlaubt!“ zu Gast (23.15 Uhr). Der Nobelpreisträger für Literatur 2002 hat seine Erlebnisse als Überlebender von Auschwitz und Buchenwald bereits 1975 in Ungarn veröffentlicht. Seit der Übersetzung ins Deutsche unter dem Titel „Roman eines Schicksallosen“ zählt es zu den wichtigsten Werken der europäischen Literatur.
Sendedaten im Überblick:
- Freitag, 21. Januar, 23.15 Uhr: „Denken erlaubt!“ mit Imre Kertész (F 2004)
- Montag, 24. bis Donnerstag 27. Januar, jeweils 20.40 Uhr: „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“: Vierteiliger Fernsehfilm (USA 1978) von Marvin J. Chomsky
- Montag, 24. Januar, 23.00 Uhr: „Wir müssen das erzählen!“ Dokumentation (USA 2004)
- Dienstag, 25. Januar, 22.20 Uhr: „Themenabend. Wenn Bilder sich erinnern – Rückblicke auf die Shoa“: Gesendet wird die Dokumentation (USA 2004) „Hollywood und der Holocaust“ und eine Diskussionsrunde zu „Shoah – gestern und heute“ (23.15 Uhr)
- Mittwoch, 26. Januar, 22.10 Uhr: „KZ Falkenau – Eine Lektion über Menschenwürde mit Samuel Fuller“ Dokumentation (F 1988/2004)
- Donnerstag, 27. Januar, 22.30 Uhr: „Im Winter werden die Tage länger“ Dokumentation (F 2004)
ARTE-Website zum Holocaust-Schwerpunkt:
http://www.arte-tv.com/de/geschichte-gesellschaft/Holocaust/750016.html
Links:
„Die Shoah im Film“ – Ein Blick auf die Produktionen der letzten Jahrzehnte
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,4&meid=36856
Filme zur Shoah im Medienladen
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,1&meid=36867
