Vera Drake

Vera Drake wohnt mit ihrer Familie in einer Arbeitersiedlung in London. Sie hat zwei erwachsene Kinder, die noch zu Hause leben. Für den Lebensunterhalt verdient sie zusätzliches Geld mit Putzen und hilft bei verschiedenen Leuten aus. Ihre Geschäftigkeit beinhaltet auch, dass Sie jungen Frauen hilft, die unfreiwillig schwanger geworden sind. Mit der Effizienz einer Hausfrau sorgt sie dafür, dass die Abtreibungen gelingen. Im England der 1950er-Jahren ist dieses Vorgehen von Privatpersonen gesetzlich strafbar und ausgerechnet am Verlobungstag ihrer Tochter bekommt Vera Besuch von der Polizei. Vera Drake wird überführt und vor Gericht gestellt. Für die Familie bricht eine Welt zusammen, da Vera die Abtreibungen vor allen geheim gehalten hat. Doch ihr Mann hält loyal zu ihr und verlangt von seinem Sohn, dass er der Mutter vergibt.

Mike Leigh inszeniert die Familiengeschichte mit viel Liebe zum Detail. Ihn interessiert das moralische Dilemma, in das die Figuren geraten. Mit ruhiger Kameraarbeit und einem Blick fürs Wesentliche nähert er sich der „Engelmacherin“ an, zeigt ihre vom schweren Leben gezeichnete Familie. Die schauspielerische Leistung von Imelda Staunton besteht darin, die positive Grundhaltung von Vera zu vermitteln, die in der Konfrontation mit dem Rechtsstaat zusammenbricht. Sie bekennt sich mit jeder Faser ihres Körpers schuldig, obwohl sie eigentlich nur «den jungen Mädchen aushelfen» wollte.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Vera Drake», Grossbritannien 2004, Regie: Mike Leigh, Besetzung: Imelda Staunton, Jim Broadbent, Heather Craney; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch, Filmwebsite: http://www.veradrake.com/

Kinostart: 20. Januar 2005