Der neunte Tag

Ein Priester aus dem berüchtigten «Pfarrerblock» des KZ Dachau wird für neun Tage in seine luxemburgische Heimat geschickt. Abbé Henri Kremer kann sein zweifelhaftes Glück kaum fassen. Gezeichnet vom Lagerleben kehrt er zurück zu seiner Familie. Täglich wird er in die Villa Pauli beordert, dem berüchtigten Zentrum des luxemburgischen Nazi-Terrors. Hier befragt ihn Untersturmführer Gebhardt. Der Gestapo Mann soll Kremer überreden, seinen Bischof für einen Pakt mit den Machthabern zu gewinnen. Mit List und unverhohlener Drohung versucht Gebhardt, den Abbé auf seine Seite zu ziehen. Er schlägt dem Geistlichen einen Teufelspakt vor: Schafft es Abbé Kremer innerhalb von neun Tagen seinen Bischof zu überzeugen, ist er frei. Missglückt der Versuch, dann muss Kremer zurück ins Konzentrationslager. Um eine Flucht des Priesters auszuschliessen, bürgen seine Mitgefangenen in Dachau mit ihrem Leben.

Volker Schlöndorff gelingt es, die anspruchsvolle Geschichte glaubwürdig zu erzählen, indem er die Perspektive des Priesters einnimmt. Werte und persönliche Überzeugungen prägen diesen ethischen Standpunkt. Das moralische Dilemma gestaltet Schlöndorff in einem Kammerspiel. Die zwingende optische und akustische Reduktion unterstreicht die existentialistischen Untertöne des Films. Die ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen tragen wesentlich dazu bei, dass die Frage nach Schuld und Vergebung gegenwärtig wird.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Der neunte Tag», Deutschland 2004, Regie: Volker Schlöndorff, Besetzung: Ulrich Matthes, August Diehl, Bibiana Beglau, Hilmar Thate, Germain Wagner; Verleih: Filmcooperative, Internet: http://www.filmcoopi.ch, http://www.derneuntetag.de

Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: http://www.kath.ch/pdf/filmtipp_0105.pdf

bpb-Filmheft: http://www.bpb.de/files/UV6BH8.pdf

Dilemma eines Priesters
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,4&meid=35820

Kinostart: 13. Januar 2005