Kirchen und Religion im Internet – Seminar des Katholischen Mediendienstes

Anlässlich seiner Generversammlung vom 19. Mai führte der Katholische Mediendienst (KM) ein Seminar zum Thema „Kirche und Religion im Internet“ durch. Die Veranstaltung an der Theologischen Fakultät der Universitären Hochschule Luzern (UHL) war mit über 60 Personen gut besucht.

Bendicht Luginbühl, Managing Publisher und Geschäftsleiter der Swisscontent Corporation, stellte die neuesten Internet-Entwicklungen aus erster Hand vor. Der elektronische Verlag Swisscontent Corporation beliefert ab diesem Sommer yellowgate.ch, das Internetportal der Post, mit Inhalten. Die Partner Post und Swisscontent Corp. haben sich zum Ziel gesetzt, bis 2002 zum wichtigsten Internetportal der Schweiz zu werden. In seinem Referat betonte Luginbühl die ungeheure Dynamik des Internets und zeigte weitreichende Auswirkungen der neuesten Trends in der Online-Kommunikation auf die Gesellschaft auf. Da die Kirchen mit ihren Portalen kath.ch, ref.ch und kirchen.ch nur Insider erreichten, schlug Luginbühl den kirchlichen Mediendiensten eine Kooperation mit den grossen allgemeinen Content-Anbietern wie yellowgate.ch vor.

Matthias Loretan, Leiter KM und Projektleiter kath.chOnline, stellte die Internet-Politik der katholischen Kirche in der deutschsprachigen Schweiz vor, wie sie die Planungsgruppe zur Konkretisierung des Pastoralplans Kommunikation und Medien entworfen hat. Sie vertritt folgende Strategie. Einerseits sollen sich die Kirchen für eine sozialverträgliche Ausgestaltung der Online-Kommunikation einsetzen und jenen Personen Möglichkeiten zur Artikulation bieten, die sich vor den neuen Technologien und ihren beschleunigenden Auswirkungen auf den Alltag und das Zusammenleben fürchten. Andererseits sollen die Kirchen das Internet zur Kommunikation über kirchliche und religiöse Inhalte nutzen. In Analogie zum Evangelischen Mediendienst (http://www.ref.ch) baut der Katholische Mediendienst seit Ende 1996 im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz ein offenes Netzwerk auf (http://www.kath.ch und http://www.kirchen.ch), an dem sich kirchliche Organisationen wie Diözesen, Pfarreien und Fachstellen mit Webseiten und Homepages in eigener Verantwortung beteiligen. Mit je ungefähr 50´000 Anwendersitzungen pro Monat erreichen die Kirchenportale kath.ch, ref.ch und kirchen.ch beachtliche Reichweiten, die zur Zeit allerdings weitgehend noch auf binnenkirchliche Öffentlichkeiten beschränkt bleiben.

In den nächsten fünf Jahren will kath.chOnline ein klar strukturiertes, zuverlässiges und bedarfsgerechtes Online-Angebot entwickeln, welches neue Zielgruppen ansprechen soll. Dazu schlug Matthias Loretan ebenfalls eine differenzierte Strategie vor: Zum einen werden kath.ch und kirchen.ch (ökumenisch) als eigenständige Kirchenportale ausgebaut und ihre Inhalte verbessert. Zum anderen wird die Integration von einzelnen Angeboten (z.B. Seelsorge und Beratung während 24 Stunden) in virtuelle Kaufhäuser beziehungsweise in allgemeine grosse Portale wie yellowgate.ch oder bluewindow.ch geprüft. Zur Zeit führen die kirchlichen Mediendienste Verhandlungen mit allen Schweizer Portalanbietern. In der anschliessenden Diskussion befürworteten die Teilnehmer grundsätzlich die skizzierte Doppelstrategie, 1. im Hinblick auf die längerfristige Glaubwürdigkeit selbständige kirchliche Portale weiterzuführen sowie 2. zur Erschliessung neuer Zielgruppen im Rahmen von ausgewählten Angeboten mit virtuellen Kaufhäusern zusammenzuarbeiten.

Erich Schweizer, Webmaster kath.chOnline, zeigte Tricks und Methoden, wie in der unübersichtlichen Informationsfülle des Internet ergiebig nach kirchlichen und religiösen Themen recherchiert werden kann. David Krieger und Andrea Belliger demonstrierten Möglichkeiten des virtuellen Lernens am Beispiel des Kirchenrechts (http://www.kirchenrecht.ch).

Der Jahresbericht des Katholischen Mediendienstes ist abrufbar unter http://www.kath.ch/km/jahresbericht_99-00/default.htm