Zeitfalle Computer
Der Computer ist einst mit dem Anspruch angetreten, dem Menschen die Arbeit zu erleichtern und dadurch vor allem Zeit zu sparen. Mit dem Computer ist alles in Minutenschnelle erledigt – das will uns die Werbung weismachen. Tatsächlich aber verliert man vor dem Bildschirm oft viel Zeit. Tipps, wie die Arbeit mit dem Computer eingegrenzt werden kann.
Zum ersten Mal stutzen wir, wenn mit dem Computer zentnerweise Handbücher angeliefert werden, von denen jedes einzelne an Gewicht den grossen Klassikern gleichkommt. Die ersten Tage verbringt man mit Verfluchungen der Schwachköpfe von Anleitungsschreibern und Muskelkater in Oberarm und Zeigefinger. Und wenn dann endlich der erste Brief vom Drucker ausgespuckt wird, dann sieht er aus wie vom Zufallsgenerator verbrochen.
Nach einigen Monaten bessert sich die Lage insofern, als die Resultate ansehnlicher und die Laune besser wird. Aber weniger Zeit verbringt man deshalb vor dem Computer nicht. Denn jetzt hat einen die Begeisterung gepackt. Von nun an wird alles mit dem Computer erledigt: eine dritte, elektronische Agenda, eine Datei zur Überprüfung des Eisschrankinhaltes und neue Beschriftungen für sämtliche Buchrücken.
Unsere Kämpfe mit dem Computer haben – zum Glück – auch ihre komischen Seiten. Sie können aber auch zu einer Belastung des Zusammenlebens werden. Dann nämlich, wenn man seine Zeit vor lauter Rationalisierungs- und Optimierungswut nur noch am Computer verbringt. Einige Tipps, wie man die Arbeit mit dem Computer eingrenzen und dabei vielleicht sogar ein bisschen Zeit sparen kann:
Arbeitseinheiten festlegen
Keine Regel der Arbeitslehre wird so konsequent missachtet wie jene, dass häufige kurze Pausen besser sind als gar keine – und nirgends wird so selten Pause gemacht wie bei der Arbeit am Computer. Und doch würde es sich ungemein lohnen, gerade diese Regel zu befolgen. Wer sich an Arbeitseinheiten von ungefähr einer Stunde hält und diese durch kurze Pausen trennt, der läuft weniger Gefahr, sich in der Arbeit zu verrennen und ebenso verbissen wie erfolglos alle Probleme am Stück lösen zu wollen.
Fixpunkte respektieren
Wer am Computer sitzt, neigt dazu, alles andere als lästige Störung beiseite zu schieben. Ganz besonders Mahl- und Schlafenszeiten. Wer aber ständig verspätet oder gar nicht zu Tisch kommt und wer nur noch aus purer Ermattung ins Bett sinkt, der wird auf Dauer selber lästig. Deshalb müssen die Fixpunkte des Gemeinschaftslebens unantastbar sein. Etwas vom praktischsten am Computer ist ja, dass sich nahezu jede Arbeit an beliebiger Stelle unterbrechen und wieder aufnehmen lässt.
Selbstbeherrschung zurückgewinnen
Es gibt Studien, die belegen wollen, dass die Gewaltanwendung gegen Computer massiv zunimmt. Selbst wenn man in der Deutung von Statistiken vorsichtig sein sollte; jeder Computernutzer hat an sich selbst schon beobachten können, wie er auf die Macken seiner Wundermaschine zunehmend unwillig reagiert. Zumindest zu einem heftigen Tastenanschlag hat sich wohl schon jeder hinreissen lassen. Auch in solchen Momenten gilt es meistens, den Computer und sich selbst für eine Weile ruhen zu lassen. Allerdings nützt es wenig, dann stellvertretend seine Mitmenschen anzuknurren.
Prioritäten setzen
Die Leistungsfähigkeit des Computers verleitet oft dazu, mit dem Zeitsparen gar nicht mehr aufzuhören. Jede noch so kleine Arbeit wird nun mit dem Alleskönner erledigt und bis zum Gehtnichtmehr perfektioniert. Der Computer glänzt zwar durch Vielseitigkeit, aber ein Alleskönner ist er dennoch nicht und vor allem ist er kein Alles-besser-könner. Geübte und auf Effizienz bedachte Computernutzer überlegen deshalb nüchtern, für welche Arbeit der Computer geeignet ist und für welche nicht.
Handbücher lesen
In der Missachtung sämtlicher Handbücher sind sich die meisten Computernutzer einig. Sie täten aber alle gut daran, endlich mit dem Lesen dieser zugegebenermassen prosaischen Literaturgattung zu beginnen. Vor allem wenn es darum geht, neue Schritte zu erlernen oder alte zu vervollkommnen, leisten Handbücher unschätzbare Dienste. Wer sich geduldig die Zeit nimmt, nachzuschlagen und nachzulesen, der wird die aufgewendete Zeit mit Sicherheit mehrfach zurückerhalten.
Ruhe bewahren
Wenn die Katastrophe geschehen ist, wenn der Computer keinen Wank mehr tut, wenn die Festplatte spurlos verschwunden ist und wenn alle Dateien nur noch aus Datensalat bestehen – in all diesen Notsituationen gilt es erst recht Ruhe zu bewahren. Die Versuchung ist gross, in panischer Aufregung wahllos sämtliche Tasten zu drücken. Häufig macht man damit das Chaos nur noch undurchsichtiger. Sinnvoller – und oft auch zeitsparender – ist es dagegen, fürs Erste die Finger von der Tastatur zu lassen und nachzudenken, vielleicht auch in aller Ruhe ein Handbuch zur Hand zu nehmen. Zwar ist das noch keine Gewähr, dass es besser wird – aber es wird mit Sicherheit auch nicht schlimmer.
Gesparte Zeit einlösen
Manchmal, in ganz seltenen Fällen, passiert es tatsächlich: Man spart dank kluger Nutzung des Computers ein paar Minuten oder gar Stunden. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man investiert diese Zeit in die Arbeit mit dem Computer, legt noch schnell eine wahnsinnig praktische Datenbank an oder surft die Zeit im Internet ab – so tun es die meisten Computernutzer. Oder man löst die gesparte Zeit tatsächlich ein, indem man ein Buch liest, mit den Kindern auf den Fussballplatz geht oder sich schlicht zwei Stunden früher zum Schlafen niederlegt.
Thomas Binotto
Der Autor ist freier Journalist
