Ist helfen out?
Am Tag der Freiwilligen, 5. Dezember 2004, hat die Caritas Zürich mit einem Filmpodium im Kino Riff Raff einen besonderen Weg gewählt. Statt einer sozial-politischen Expertenrunde zum Thema hat sie sich ins urbane Zentrum an die Langstrasse gewagt und Leute aus der jungen Generation eingeladen. Von ihnen wollte die Moderatorin Maria Rodriguez (Tele Züri) wissen, ob helfen out ist.
Ausgangspunkt war der japanische Animationsfilm „Tokyo Godfathers“, der eine moderne Weihnachtsgeschichte in den schrillen Bildern der japanischen Anime-Kultur erzählt. Das filmische Feuerwerk von Satoshi Kon, einem der wichtigsten Animationsfilmkünstler in Japan, richtet sich an Erwachsene und lädt ein, zu überraschenden Erkenntnissen. Die filmischen Verweise auf Frank Capra oder Charlie Chaplin sind kaum zu übersehen. Hier erweisen sich Obdachlose als die wirklichen Helfer und Helden in der Welt. Mit ihrer selbstlosen Haltung gegenüber einem ausgesetzten Säugling machen sie die dunkle und kalte Welt etwas besser. Unverhofft werden sie für ihre Selbstlosigkeit belohnt und schlittern in die Rolle der Paten für das Neugeborene hinein.
Was der Film bei den Podiumsgästen Cornelia Alb, Robert Ismajlovic und Adrian Weyermann ausgelöst hat, wurde in der ersten Austauschrunde nicht ganz klar. Doch Maria Rodriguez verstand es, das Gespräch voran zu treiben. Erhellend waren die Statements von Cornelia Alb, die als Leiterin des Projektes URAT zur Integration von Kosovo-Albanern bei der Caritas arbeitet. Sie unterstrich, dass Helfen und Freiwilligenarbeit immer mit einem Geben und Nehmen verbunden sei. „Für die Beteiligten kommt immer sehr viel zurück und das ist eine der Hauptmotivationen für die Freiwilligenarbeit“. Sie versuchte damit die Freiwilligenarbeit vom Image der Selbstaufopferung zu befreien. Robert Ismajlovic, Ex-Mister Schweiz, berichtete von seiner Arbeit als Krankenpfleger mit alten Menschen. Glaubwürdig und sehr persönlich zeigte er, dass ihm der helfende Beruf sehr wichtig ist. Adrian Weyermann, ein junger Musiker aus der Zürcher Szene, zeigte sich skeptisch gegenüber der Frage „Ist helfen out?“ und sprach unter anderem auch den „Helfertripp“ an. Seine nachdenkliche Art tat dem Podium gut, denn er machte klar, dass „Helfen“ ein sehr zwiespältiges Wort ist.
Die ungewöhnliche Kombination des erfrischend frechen Animationsfilms mit dem Podiumsgespräch im Foyer des In-Kinos Riff Raff ergab ein anregende Atmosphäre. Den Approach, mit jungen Erwachsenen die Frage des Helfens anzugehen, ist zumindest mutig. Im Publikum des Podiums sassen viele Freiwillige zwischen 40 und 60 Jahren. Sie erhielten einen Blick in die Generation der 30-Jährigen, die sich über das „Helfen“ im Alltag mehr Gedanken macht, als das allgemeine Klischee vom urbanen, In-Group orientierten Stadtmenschen erlaubt. Wenig erstaunlich war auf jeden Fall die Antwort der Podiumsgäste Ismajlovic und Weyermann auf die Frage, ob sie Leute kennen, die sich in der Freiwilligenarbeit engagieren. Die einhellige Antwort war nein. Da gibt es wohl für die Caritas noch einiges zu tun.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
„Tokyo Godfathers“ ist Film des Monats Dezember. Er startet am 16. Dezember in den Schweizer Kinos.
