Grünes Licht fürs „Neue“
Jetzt steht es fest: Von Ostern bis Pfingsten wird in den grossen Migros-Filialen „Das Neue“ feil geboten. Für zehn Franken kann man das Neue Testament in der Übersetzung der Guten Nachricht in deutscher, französischer oder italienischer Sprache erwerben.
Das Projekt „Bibel 2000“ wurde im vergangenen Jahr von der Schweizerischen Bibelgesellschaft, dem Bibellesebund und der Schriftenmission Christus für Alle lanciert. Ziel war, eine gut lesbare Bibel zu einem günstigen Preis anzubieten, gerade für Menschen, die der christlichen Religion eher fern stehen. Zwischen Gemüsestand und Guetzliregal der Migros, die als Projektpartnerin gewonnen werden konnte, hoffte man einen unbefangenen Kontakt mit der heiligen Schrift zu ermöglichen.
In der Folge aber verzögerte sich das Projekt. Die Migros, die sich als Grossverteilerin an alle Mitglieder einer pluralistischen Gesellschaft richtet, wollte ihre Strategie zum Verkauf eines explizit „christlichen“ Produktes erneut überdenken. Ausserdem wurde dem orangen Riesen die Mitbeteiligung fundamentalistischer Gruppierungen plötzlich suspekt. Migros-Pressesprecherin Maja Amrein sagt: „Wir wollten sicher sein, dass der Inhalt der geplanten Bibel zu keinerlei Kritik Anlass gibt.“ Aus diesem Grund wurde Daniel Kosch mit einem Gutachten beauftragt.
Standard-Übersetzung mit Beigaben
„Das Neue“ ist das Neue Testament in der Übersetzung der Guten Nachricht. Versehen ist es mit Bildern und Fotos, wobei das Spektrum von Fotos biblischer Schauplätze über Abbildungen klassischer Gemälde bis hin zu zeitgenössischen Sujets reicht. Grundsätzlich attestiert Daniel Kosch, Leiter der Bibelpastoralen Arbeitsstelle, der Migros-Bibel Qualität. Denn der Text übernimmt die Übersetzung der Guten Nachricht und teilweise auch deren Sachkommentare. Persönlich sieht er gelegentlich Schwierigkeiten bei den ebenfalls enthaltenen Interpretationen biblischen Textes. „Der Bezug zwischen Text und heutiger Welt wird manchmal in zu direkter Art hergestellt“ sagt er. „Beispielsweise lautet die Interpretation bei der Brotvermehrungsgeschichte, dass man sich keine Sorgen um sein tägliches Brot machen muss, wenn man an Gott glaubt. Das ist etwas gar naiv.“
Abgespeckte Aktion
Die Migros hat sich aufgrund des Gutachtens für ihre Teilnahme am Projekt „Bibel 2000“ entschieden. Trotzdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie ob des ungewöhnlichen Verkaufsgegenstandes kalte Füsse bekommen hat. Denn die Aktion kommt anders daher als ursprünglich geplant. Anstatt offen für eine Fortsetzung soll sie lediglich einmalig sein, stattfinden tut sie nur in grösseren Migros-Filialen und nicht in zusätzlichen Läden.
Ausserdem soll sie auf Wunsch des Grossverteilers – entgegen der Ankündigung einer grossangelegten Plakatreihe – von keinen zusätzlichen Werbemassnahmen begleitet werden. – Und somit bleibt es den Pfarreien und Gemeinden überlassen, ob und wie sie die Bibel-Verkaufsaktion aufgreifen und begleiten wollen.
Sabine Schüpbach
