Kinderpublikation der KEM eingestellt

Die in finanzielle und organisatorische Schwierigkeiten geratene Kooperation Evangelischer Kirchen und Missionen (KEM) muss im Rahmen ihrer Restrukturierung Sparmassnahmen ergreifen. Davon betroffen ist auch die Kinderpublikation AJO. Ihr Erscheinen wurde auf Ende Januar eingestellt.

Mit der Einstellung von AJO, der Kinderpublikation der Missionen, geht eine 99jährige Geschichte zu Ende. 1900 gab die Basler Mission erstmals eine Kinderpublikation mit dem Namen „Der Heidenfreund“ heraus. Später hiess sie „Der kleine Wanderer“, dann „AJO, der kleine Wanderer“ und ab den achtziger Jahren „AJO“. Mit der Gründung der KEM in den sechziger Jahren wurde „Der kleine Wanderer“ zur deren Missionsblatt für Kinder, ab den achtziger Jahren wurde das Blatt redaktionell im KEM-Zentralsekretariat produziert.

Fremde Welten eröffnen

Seit der Jahrhundertwende hat sich das Missionsverständnis grundlegend gewandelt. Während der „Heidenfreund“ teilweise noch die Funktion hatte, die Neugier an Fremdem und Abstrusem zu befriedigen, wollte „AJO“ Kindern von 8 bis 12 Jahren die Möglichkeit bieten, fremde Lebenswelten kennenzulernen. Das geschah mittels Geschichten über Kinder anderer Länder, Kulturen und Völker. Darin sieht Nina Sadheva, die „AJO“ mit zehn Stellenprozent redaktionell betreute, die Stärke der Kinderpublikation: „Die Kinder konnten mit den Geschichten auf Reisen gehen ohne dabei Belehrungen oder Kommentierungen über sich ergehen lassen zu müssen.“ Die vier jährlichen Nummern widmeten sich jeweils drei Ländern sowie einer fremden Religion. Die Texte oder Rohmaterial dazu stammte oft von KEM-Mitarbeiter/-innen, die in den betroffenen Ländern gearbeitet hatten, oder von Menschen, die dort lebten.

Kompetenz der Missionen

Bekannt gemacht wurde „AJO“ vor allem über die Sonntagsschule. Mit der zurückgehenden Bedeutung der Sonntagsschule sanken denn auch die Abozahlen der Kinderpublikation. Ende der siebziger Jahre waren es 12´000, 1999 noch 3100 Abonnenten. Dazu kam, dass bei „AJO“ die Länder und Kulturen des Südens im Mittelpunkt standen und nicht biblische Themen, an denen die Sonntagsschule vor allem interessiert ist.

Man habe, so Nina Sadheva, den Wechsel vom Sonntagsschulpublikum zum Schulpublikum verpasst. Dass ein/-e Sonntagsschulbesucher/-in sich nicht in erster Linie für „AJO“ interessiere, sei einsichtig. In der Schule aber bestünde durchaus Bedarf nach den Themen und der Kompetenz, welche die Kinderpublikation der Missionen zu bieten hatte.

Mit der Einstellung von AJO werden die 45´000 Franken, welche für die Produktion der vierfarbigen Zeitschrift jährlich aufgewendet wurden, eingespart. Ob und in welcher Form sich das KEM Zentralsekretariat oder die KEM-Missionen nach Einstellung von „AJO“ in der Jugend- und Kinderarbeit engagieren, soll sich in den nächsten Monaten im Prozess der Suche nach einem neuen Hilfswerk ergeben.

Sabine Schüpbach