Gottesdienst im Wohnzimmer

29. April, Sonntagmorgen 10.00 Uhr: Wer wie ich die „Sternstunde Religion“ auf SF1 eingestellt hat, kann den römisch-katholischen Gottesdienst der Gemeinde Bruder Klaus in Kriens LU in seinen eigenen vier Wänden mitfeiern. Welche Vorbereitungen für eine reibungslose Übertragung notwendig sind, habe ich am Samstagnachmittag vor Ort in Erfahrung gebracht.

Bei meiner Ankunft weisen drei Lastwagen des Schweizer Fernsehens auf das Bevorstehende hin. Ein Blick in die Kirche bestätigt meine Vermutung: die Vorbereitungen für den Live-Gottesdienst sind in vollem Gange. Letzte Kabel werden verlegt, Instrumente gestimmt und der Wandschmuck wird angebracht. Auf dem Vorplatz treffen Mitarbeiter des Fernsehens, Chormitglieder und Musiker ein.

Während sich Chor und Orchester einspielen, wird im Kirchgemeindehaus die Sendung „Nachgefragt“ aufgezeichnet. Erst rund zwei Stunden später, nach der Regiebesprechung, kann es richtig losgehen mit der Probe für den Gottesdienst, welcher am kommenden Tag live ausgestrahlt wird. Anhand eines Drehbuchs wird alles aufs Wort genau „durchgespielt“. Die vier Kameraleute haben ihre Positionen im Mittelgang, hinter dem Altar, bei der Orgel und auf der Empore eingenommen. Der Pfarrer, der Pfarreileiter, die Lektorin und die etwas nervösen Ministrantinnen stehen für den Einzug bereit. Alle warten gespannt. Im letzten Moment werden noch Plätze getauscht, dann erklingt die Orgelmusik und die Probe beginnt. Ich sitze im Kirchenschiff und staune über die Geduld der Beteiligten, denn der Ablauf ist von zahlreichen Unterbrechungen, Anweisungen und Wiederholungen geprägt. Beim gemeinsamen Sich-Setzen des Pfarreileiters und der Ministranten herrscht kurz Verwirrung. Wer setzt sich wohin und sind alle zu sehen? Eine Ministrantin ist hinter dem Pfarrer verdeckt, also müssen alle einen Schritt nach rechts rücken.

Die Gabenbereitung und die Wandlung verfolge ich schliesslich im Regiewagen. Erst jetzt erkenne ich richtig, wie komplex sich das Ganze gestaltet und wozu die zahlreichen Unterbrechungen notwendig sind. Die Einstellungen der vier Kameras werden hier kanalisiert und probehalber zusammen geschnitten, damit der Zuschauer zu Hause während der Live-Übertragung nichts verpasst und die jeweils Handelnden auf dem Bildschirm sichtbar sind: Im Hintergrund erklingt die Musik zur Gabenbereitung. Kamera 1 folgt den Ministrantinnen und dem Pfarrer. Brot und Wein werden zum Altar gebracht. Schnitt. Kamera 3 spielt das Orchester ein. Die Regie wünscht eine Nahaufnahme des Solisten. Schwenker der Kamera. Der Chor tritt in den Mittelpunkt, der Bass singt, doch versehentlich erscheint der im Moment pausierende Tenor im Bild … Bei der Wiederholung werden solche Verwechslungen bereinigt, Kameraeinstellungen präzisiert und Anweisungen der Regie berücksichtigt. Meistens klappt es beim zweiten Versuch reibungslos.

So auch am Sonntagmorgen. Der Pfarrer erteilt den Segen, die Musik erklingt zum Auszug und einmal mehr hat für den Fernsehzuschauer im Wohnzimmer alles wie selbstverständlich funktioniert.
 
 
Monica Lienin
Praktikantin im Katholischen Mediendienst