Oi! Warning

Am 11. Oktober auf ARD: Spielfilm (D 1998). Regie: Dominik und Benjamin Reding

(medientipp) Raus aus dem Kaff am Bodensee, weg von Mama und Schule. Janosch wirft sich auf den Roller und fährt los: In Dortmund trifft der 17-Jährige seinen alten Freund Koma wieder. Koma ist stark, und er lässt sich von niemandem etwas gefallen, denn Koma ist Skinhead. Janosch ist fasziniert von der Mischung aus Gewalt, Musik und Alkohol. Bald kann er sich nichts anderes mehr vorstellen, als so zu sein wie Koma. Er rasiert sich den Schädel und aus dem Jungen vom Land wird ein Skin. Doch Janosch kann sich nicht ent-scheiden. Als er den Punk Zottel kennen lernt, beginnt seine Welt zu wanken.

Weder Skinheads noch Punks standen bisher im Mittelpunkt von deutschen Filmen. Nor-malerweise nehmen sie genau jene Rolle ein, die ihnen auch in der Realität zugedacht ist: die Nebenrolle. Den Zwillingsbrüdern Dominik und Benjamin Reding gelang mit ihrem ersten Film ein Drama, das einen „normalen“ Jugendlichen mit einem Skin und einem Punk konfrontiert. Wichtig war den Filmemachern, dass die Gefühle und Lebensentwürfe junger Menschen ernst genommen werden. Sie wollten nicht eine politische Haltung the-matisieren, sondern das Ohnmachtgefühl vieler Jugendlicher, ohne Gewalt ein Nichts zu sein. Benjamin Reding, der selbst grundlose Gewalt am eigenen Leib erfahren hat, wollte aber auch den Folgen von Gewalt nachgehen: Opfer werden zunächst als Menschen ken-nen- und lieben gelernt, bevor sie körperlich und seelisch verletzt zurück bleiben.

Mit den Schwarz-Weiss-Bildern wollen die Brüder Reding den Film von der Wirklichkeit abheben und ihn von „didaktischen“ Filmen unterscheiden. Die Schauspieler, die absolut glaubwürdig sein sollten, wurden nicht nur in den Schauspielschulen und Theatern, son-dern auch auf Open Airs und an Demonstrationen gesucht. Drei von fünf Darstellern sind Laien, die zum ersten Mal vor der Kamera standen. Für den Film haben die Brüder Reding direkt im Skinhead- und Punk-Milieu recherchiert, wobei sie ihre Absicht immer offen legten. Diejenigen, die sich letztlich gesprächsbereit zeigten, haben Wertvolles zur Au-thentizität des Filmes beigetragen.

„Oi! Warning“ ist ein Film über falsch verstandene Männlichkeit, über Liebe und vor allem über Gewalt. Er hatte grossen Erfolg bei den Jurys und Zuschauern von Filmfestivals und erhielt zahlreiche Preise. Im Jahr 2000 kam der Film in die deutschen Kinos und wird jetzt am 11. Oktober auf ARD zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt.