Miffo
Sein Vater hätte ihm ein Auto geschenkt, um ihn vom Theologiestudium abzubringen. Doch Tobias hat es durchgezogen und bewirbt sich auf eine Pfarrstelle in einem heruntergekommenen Stadtviertel. Reichlich naiv, doch voller Elan nimmt er seine Arbeit auf: Wenn schon niemand in die Kirche kommt, geht er eben von Tür zu Tür. In einem der Betonblocks lernt er Carola kennen, sie ist direkt, zuweilen ordinär, querschnittgelähmt – und einfach hinreissend. Ist es ein Helferkomplex oder gar Amtsmissbrauch, wenn sich Tobias zu ihr hingezogen fühlt? Überfordert von seinen Aufgaben und Gefühlen flüchtet er in den Schoss der wohlhabenden Schicht, der er entstammt.
Skandinavische Filme haben ein Auge für soziale Themen und ein Gespür für Humor mit Tiefgang. In dieser Art fokussiert „Miffo“ die unsichtbare Trennwand zwischen den sozialen Schichten und zeigt die Naivität von Gutmenschen wie die Raffinesse sozial Deklassierter. Da sich der Film um einen jungen Pfarrer dreht, fragt er auch nach der Bedeutung von Kirche in der säkularen Gesellschaft. Was nützt theologisches Studienwissen für die Beerdigung eines Säufers? (Nur so viel: Diese Beerdigung ist eine der Perlen des Films.) Zwar geraten Klamauk und die Liebesgeschichte des ungleichen Paars in den Vordergrund, doch bleibt das Thema kirchliche Arbeit präsent und macht den Film fast zu einem (unterhaltsamen) Muss für junge VikarInnen.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Miffo», Schweden 2003, Regie: Daniel Lind-Lagerlöf, Besetzung: Jonas Karlsson, Livia Millhagen, Liv Mjönes; Verleih: Ascot Elite Entertainment Group, Internet: http://www.ascot-elite.ch
Kinostart: 4. November
